Definitionen
 

 
 

2.4. Nebenberufliche Tätigkeit

Wer sich seine Existenz als E-Lancer allmählich neben einer anderen Betätigung aufbauen möchte, kann das problemlos tun. Nichts spricht dagegen, nebeneinander einer selbstständigen Tätigkeit und einer abhängigen Beschäftigung oder einem Studium nachzugehen.

Solange es sich dabei nur um einzelne Aufträge handelt, genügt es, die entsprechenden Einkünfte dem Finanzamt in der jährlichen Einkommensteuererklärung zu melden. Ergeben sich aus der Tätigkeit nach Abzug der Betriebskosten Verluste, so können sie in der Einkommensteuererklärung von den Einkünften aus der Angestelltentätigkeit (bei gemeinsamer Veranlagung auch von den Einkünften der Ehefrau) abgezogen werden.

Wird aus den Einzelaufträgen eine Tätigkeit, die dauerhaft aufs Geldverdienen ausgerichtet ist, so sind alle üblichen Startformalitäten einzuhalten. Eine gewerbliche Tätigkeit, auch wenn sie nebenberuflich ist, müssen also auch Schülerinnen bei ihrer Gemeinde anmelden. Aber Vorsicht: So eine nebenberufliche Tätigkeit kann möglicherweise gravierende Auswirkungen auf Bezüge aus öffentlichen Kassen, z.B. auf Kindergeld und BAFöG, sowie auf die Krankenversicherung haben kann. Diese werden detailliert in einem gesonderten Kapitel beschrieben.

Wo die Gesetze zwischen haupt- und nebenberuflicher Tätigkeit unterscheiden, gilt bei zwei bezahlten Tätigkeiten in der Regel diejenige als Hauptberuf, aus der das meiste Geld fließt. Ist die zweite Tätigkeit ein Studium, so kommt es auf die investierte Zeit an: Normalerweise ist das Studium der Hauptberuf. Wer aber während der Vorlesungszeit für eine Erwerbstätigkeit so viel Zeit aufwendet, dass er zu einem ordentlichen Studium nicht mehr kommt, ist kein "ordentlicher Student" mehr und damit im Hauptberuf selbstständig tätig (oder angestellt).

 
2.4.0.1.  Berufsanfänger, Erwerbstätigkeit und Hobby

Wer mit einer nebenberuflichen selbstständigen Tätigkeit Jahr für Jahr Verluste macht, dem kann es passieren, dass ihm das Finanzamt irgendwann mitteilt, es werde diese Tätigkeit künftig nicht mehr als Erwerbstätigkeit, sondern als Liebhaberei werten. Für den Betroffenen heißt das: Er

  • kann die Verluste aus dieser Tätigkeit nicht mehr in der Einkommensteuererklärung geltend machen,
  • muss die Einnahmen aber dennoch versteuern und
  • wird, auch wenn er nachweislich künstlerisch tätig ist, nicht in die Künstlersozialkasse aufgenommen.

Verhindern sollte diese Bestimmung ursprünglich mal, dass Ferienhausbesitzer die Kosten für ihr Freizeitvergnügen steuerlich als Verluste ("keine Mieter gefunden!") geltend machen können. Angewandt wird sie aber häufig gegen Schriftsteller, deren Bücher sich schlecht verkaufen; auch nebenberuflichen EDV-Beratern, die jahrelang Verluste machen, könnten die Finanzämter den Job als reines Hobby unterstellen.

Ob eine Nebentätigkeit als Erwerbstätigkeit gewertet wird, hängt jedoch nicht davon ab, ob Einkünfte tatsächlich erzielt werden, sondern ob eine "Einkünfteerzielungsabsicht" vorliegt. Hat eine Berufsanfängerin in den ersten Jahren also negative Einkünfte, so spricht das noch nicht gegen eine Erwerbstätigkeit. In der Gründungsphase sind Verluste schließlich keine Seltenheit. Aber irgendwann ist Schluss:

Die Künstlersozialkasse befristet die Berufsanfängereigenschaft auf drei Jahre. Wer danach aus der selbstständigen Tätigkeit immer noch geringere Einkünfte als 3.900  pro Jahr anmeldet, fliegt aus der KSK raus.

Der Bundesfinanzhof hat akzeptiert, dass bei künstlerischen Tätigkeiten positive Einkünfte manchmal erst nach acht oder zehn Jahren erzielt werden. Bei anderen Berufen kann die Erklärung zur Liebhaberei schon früher erfolgen. Zumal wenn das Finanzamt zu der Auffassung kommt, dass der Steuerpflichtige so hohe Ausgaben tätigt, dass ein "Totalüberschuss" auch über einen längeren Zeitraum nicht zu erwarten ist. Bemüht sich die Verdächtige dagegen erkennbar, ihre Betriebskosten zu senken, so gilt das wieder als Indiz für eine "Einkünfteerzielungsabsicht" und damit für eine Erwerbstätigkeit.

 

 

[ Letzte Änderung: 1. Juli 2004]
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