Der Start
 

 
 

3.2. Hilfen zur Existenzgründung

Nicht nur die Existenzgründungen haben in den letzten Jahren in Deutschland zugenommen – auch die Existenzgründungsberatung und -forschung ist zu einer Boombranche geworden. Die Zahl der einschlägigen Ratgeber ist Legion; die Förderprogramme können selbst Fachleute kaum noch überschauen, und manche Existenzgründerin muss sich förmlich dagegen wehren, von solchen Angeboten erstickt zu werden.

Vor diesem Hintergrund bleibt das Kapitel zu Existenzgründungshilfen in diesem Ratgeber sehr allgemein. Ich mag den Hunderten von Ratgebern und Checklisten auf diesem Feld keine weiteren hinzu fügen. Wer Beratung oder finanzielle Hilfen braucht, sollte sich zunächst auf die Web-Site des Bundeswirtschaftsministeriums begeben. Dort findet man umfangreichstes Material für Existenzgründer – inklusive Persönlichkeitstests, Softwarepaket und Förderdatenbank. Einen speziellen Gründerleitfaden für den Multimediabereich hat das Ministerium zusammen mit dem VDI/VDE-Technologiezentrum ins Netz gestellt. Ein ähnlich umfangreiches Portal bietet die bundeseigene KfW-Mittelstandsbank (früher DTA), die sich als "Beraterbank für Gründer und Startups" versteht, mit ihrem virtuellen "Gründerzentrum".

Über die konkreten Seminare, Beratungs- und Förderprogramme, die in der jeweiligen Region gerade "im Angebot" sind, weiß die regionale Industrie- und Handelskammer Bescheid, die über www.ihk.de zu finden ist. Auch die landeseigenen Wirtschaftsfördergesellschaften, die man über die Web-Site des jeweiligen Bundeslandes findet, wissen da Bescheid. Schließlich bieten auch viele Unternehmensberater auf ihren Web-Sites Informationsmaterial an.

Für alle weiteren Eventualitäten des Gründerinnenlebens schließlich gibt es auf der Web-Site von akademie.de eine umfangreiche, gut sortierte und kommentierte Sammlung von "GründerLinX".

 
3.2.0.1.  Jede Gründung ist anders

Wer sich auf den Markt der Existenzgründungsberatung begibt, sollte sich vorher zumindest drei Punkte vergegenwärtigen.

Erstens: Jede Existenzgründung ist anders. Die zahllosen Broschüren und Bücher zu diesem Thema berücksichtigen diese Verschiedenheit aber oft nicht; auch auf Existenzgründerseminaren wird häufig allzu forsch über einen Kamm geschoren. Es macht aber nun mal einen himmelweiten Unterschied aus, ob eine E-Lancerin als Startkapital nur den Computer braucht, den sie längst besitzt, oder ob ein angehender Multimedia-Produzent Equipment für eine sechs- bis siebenstellige Summe anschaffen muss. Bevor man sich zu einem solchen Seminar anmeldet, sollte man also sehr genau nachfragen, ob es wirklich zielgenau auf die eigenen Fragestellungen zugeschnitten ist.

Zweitens: Theorie ersetzt nicht die Praxis. Existenzgründungsberatung wird selten von Praktikern vorgenommen. Meist sind es Unternehmensberater, Anwälte, Steuerberater, Kammerangestellte. Von ihnen kann man in der Regel sehr viel über die einschlägigen Gesetze und Förderprogramme lernen. Wer sich aber auf die praktischen Probleme einstellen will, die im Alltag unweigerlich auf ihn zukommen, sollte außerdem das Gespräch mit erfahrenen Praktikern suchen, wo immer es geht. Mit Leuten möglichst, die in der eigenen Branche selbst schon mal ein Geschäft gegründet haben.

Drittens: Existenzgründungsberatung ist ein Geschäft. Für Unternehmensberater sind öffentlich geförderte Existenzgründungsberatungen ein gutes Zubrot. Das eigentliche Geschäft beginnt für sie aber erst, wenn aus der einmaligen Beratung ein dauerhaftes Auftragsverhältnis wird. Dass viele Beratungen genau auf dieses Ziel angelegt sind, muss nicht negativ sein. Aber man sollte es sich bewusst machen, bevor man zu einer solchen Beratung geht.

Und wer jetzt noch daran denkt, dass für den Erfolg der Existenzgründung vor allem die eigene Arbeit entscheidend ist, ist auf einem guten Weg.

 
3.2.0.2.  Staatliche Finanzhilfen

Auf rund 1.000 ist die Zahl der Förderprogramme von EU, Bund, Ländern und Gemeinden für Existenzgründungen inzwischen angewachsen – und sie haben fast alle einen gravierenden Nachteil: Geschenkt gibt es fast nirgends was. Existenzgründerdarlehen müssen – wenn auch mit niedrigen Zinsen – irgendwann zurückgezahlt werden. Auch zum Ausgleich magerer Einkünfte in der Gründungsphase lassen sie sich kaum verwenden, da es sich in aller Regel um Investitionshilfen handelt: Solche Darlehen müssen zwingend für Investitionsgüter ausgegeben werden und dürfen nicht zur Deckung laufender Ausgaben verwendet werden.

Wer an solche Investitionen denkt, darf nicht lange warten: Existenzgründungsdarlehen gibt es in der Regel nur vor der offiziellen Gründung und vor den zu fördernden Investitionen. Wer seinen Laden einmal eröffnet und ausgestattet hat, hat auf solche Darlehen also keinen Anspruch mehr.

Für E-Lancer, die nur recht kleine Beträge investieren wollen, haben die meisten dieser Programme zudem den Nachteil, dass sie für Investitionen erst ab 25.000 oder 50.000 € gedacht sind. Inzwischen haben aber die meisten Bundesländer spezielle Programm für kleinere Darlehen aufgelegt, die bezeichnenderweise häufig als Existenzgründerinnenförderung deklariert sind. Bei der KfW-Mittelstandsbank gibt es ein Mikro-Darlehen über 25.000 €, das nicht nur ohne Eigenkapitalbeteiligung und ohne übermäßige Sicherheiten ausgezahlt wird, sondern auch für laufende Ausgaben eingesetzt werden darf.

Eine Übersicht über sämtliche aktuellen Wirtschaftsförderprogramme von EU, Bund und Ländern bietet die Förderdatenbankdes Bundeswirtschaftsministeriums. Wer im Wust dieser Daten ein wenig Orientierung und Beratung braucht, kann den Fördernavigatordes Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) nutzen oder sich bei der Förderberatung für kleine und mittlere Unternehmen des BMBF direkt beraten lassen (Hotline: 0800 2623009).

 
3.2.0.3.  Beratung und Beratungsförderung

Mit dem Boom des Begriffs "Existenzgründung" hat auch die Zahl der Beratungsangebote sprunghaft zugenommen. Auch hier sind wiederum vorrangig die "großen" Gründungen die Zielgruppe. Wer zur Existenzgründungsberatung zu einem Unternehmensberater oder einem Beratungsunternehmen geht, kann zu den Kosten vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrförderung einen Zuschuss von 50 Prozent (maximal 1.500 €) bekommen. "Existenzaufbauberatungen" werden in den zwei Jahren nach einer Gründung ebenfalls mit 50% (maximal 1.500 €) gefördert; in den drei folgenden Jahren sind noch einmal 40% Zuschuss (maximal 1.500 €) drin.

Den Ruf, eher eine Fördermaßnahme für Unternehmensberater zu sein, konnte dieses Programm allerdings nie ganz abstreifen. Vorsicht gebietet auch das Verfahren: Der Antrag kann erst gestellt werden, wenn die Rechnung bereits bezahlt ist! Zusätzliche Beratungshilfen – auch bei Genehmigungen, Anmeldungen und der Suche nach Kooperationspartnern – bieten die Länder und regionale Wirtschaftsfördergesellschaften an.

Wem das alles eine Nummer zu groß ist, dem bleiben zahlreiche andere Informationsquellen:

  • Broschüren und Bücher zum Thema Existenzgründung gibt es in Massen. Wer keine riesigen Investitionen vorhat, ist mit den speziellen Broschüren für Existenzgründerinnen häufig gut bedient – die sind in der Regel weniger technokratisch, mehr an praktischen Fragen orientiert und auf kleinere Investitionssummen ausgerichtet.
  • Verschiedene Arbeitsagenturen und regionale Existenzgründervereine bieten ebenfalls Informationsveranstaltungen und persönliche Beratungen zum eigenen Unternehmenskonzept an. Vorbild war hier das Büro für Existenzgründungen, das von der Arbeitsagentur München und dem Verein START ins Leben gerufen wurde.
  • Mit Förderung des Bundesamtes für Wirtschaft führen die Industrie- und Handelskammern (und andere) mehrtägige Seminare zum Thema Existenzgründungen durch.
  • Überhaupt sollte man die Industrie- und Handelskammern hier fordern: Gewerbetreibende sind in diesen Kammern schließlich Pflichtmitglieder und sollten für ihre Beiträge auch vernünftige Hilfen bekommen (die die meisten IHK auch liefern).
  • Schließlich bieten auch die Beratungsdienste von ver.di konkrete Hilfe zu konkreten Fragen beim Start in die Selbstständigkeit.

Speziell für Frauen haben sich inzwischen in einer Reihe von Städten Expertinnen-Beratungsnetze gebildet. Dort beraten ehrenamtliche Expertinnen, die es in ihrem Beruf schon geschafft haben, jüngere Frauen kostenlos in allen beruflichen und fachlichen Fragen ihrer Branche. Solche Netze gibt es zum Beispiel in Berlin, Bremen, Dresden, Hamburg, Köln und München. Eine aktuelle Übersicht mit Webadressen findet sich auf der Seite des Expertinnen-Beratungsnetzes Hamburg.

Und wer weniger schlauen Rat bekommen als vielmehr konkrete Erfahrungen austauschen möchte, findet inzwischen in allen größeren Städten Gründerstammtische. Eine (noch recht lückenhafte) Übersicht bietet www.gruenderstammtische.de.

 
3.2.0.4.  Private Kapitalbeteiligungen

Wer richtig dickes Geld braucht, und zwar als Beteiligung, nicht als Darlehen, kann sich inzwischen in einer Reihe von Städten am "First Tuesday" auf StartUp/Kapitalgeber-Treffen auf die Vorstellungsrunde machen. Termine findet man in der Tagespresse – eine zuverlässige Web-Übersicht hat sich hierfür noch nicht etabliert.

Adressen von Kapitalgesellschaften findet man auf der Web-Site des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Dort gibt es auch eine Menge Links zu Business Angels, Inkubatoren und weiteren möglicherweise hilfreichen Anlaufstellen.

 
3.2.0.5.  Arbeitsförderung

Neben dem Überbrückungsgeld und dem Existenzgründungszuschuss, die arbeitslosen Gründerinnen den Start in die Selbstständigkeit finanziell erleichtern, bieten die Arbeitsagenturen eine ganze Reihe von Leistungen für Arbeitgeber an, die Arbeitslose fest einstellen. Die entsprechenden Programme wechseln häufiger – im Sommer 2004 gab es:

  • Eingliederungszuschüsse: Zuschuss für Arbeitnehmer, die
    • einer besonderen Einarbeitung bedürfen,
    • nur erschwert zu vermitteln sind (Langzeitarbeitslose, Behinderte) oder
    • bereits über 50 Jahre alt sind und im letzten Jahr mindestens sechs Monate lang arbeitslos gemeldet waren.
    Der Zuschuss beträgt je nach den Umständen des Einzelfalles 30 – 70 Prozent des regelmäßigen Entgelts und kann für 6 bis 24 Monate, in Einzelfällen bis zu 60 Monate gezahlt werden.
  • Einstellungszuschuss bei Neugründung: Wer in den ersten beiden Jahren der Selbstständigkeit neue Arbeitsplätze schafft und dafür Arbeitnehmer unbefristet einstellt, die zuvor mindestens drei Monate arbeitslos waren, kann bis zu zwölf Monate lang 50 Prozent des regelmäßigen Entgelts als Zuschuss bekommen. Der Zuschuss wird höchstens für zwei Arbeitnehmerinnen gleichzeitig gezahlt und nur an Arbeitgeberinnen mit bis zu fünf Beschäftigten.
  • Einstellungszuschuss bei Vertretung ("Job-Rotation"): Wer einen Arbeitnehmer zur Weiterbildung freistellt und während dieser Zeit als Vertretung einen Arbeitslosen einstellt, kann von der Arbeitsagentur bis zu zwölf Monate lang 50 – 100 Prozent des Arbeitsentgelts der Vertretung bekommen.
  • Bei Weiterbildungsmaßnahmen für ungelernte oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitnehmer kann die Arbeitsagentur bis zu 100 Prozent des Arbeitsentgelts für die ausgefallenen Arbeitstage übernehmen.
  • Weitere Hilfen für Arbeitgeber gibt es
    • bei der Beschäftigung von Behinderten und schwer Behinderten,
    • bei Arbeitsbeschaffungs- Strukturanpassungs- und Beschäftigung schaffenden Infrastrukturmaßnahmen Ost.

Da die meisten dieser Leistungen Kann-Leistungen sind, auf die kein Rechtsanspruch besteht, sollten sie vorab genau mit der Arbeitsagentur abgesprochen werden. Dort erfährt man auch alle weiteren Details.

 

 

[ Letzte Änderung: 1. Januar 2005]
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