Der StartFließender Übergang in die Selbstständigkeit
 

 
 

3.4.2.  Nebenberuf, Steuern und Sozialversicherung

Wer nebenberuflich einer gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeit nachgeht, unterliegt allen Regelungen, die für diese Erwerbszweige in diesem Ratgeber dargestellt werden. Darüber hinaus ist besonders für Arbeitslose, Schülerinnen und Studenten zu beachten, dass ab einem bestimmten Umfang der nebenberuflichen Tätigkeit wertvolle Privilegien aus dem Hauptlebensbereich – insbesondere bei der Sozialversicherung – verloren gehen können.

 
3.4.2.1.  Gewerbeanmeldung

Ein Gewerbe muss auch anmelden, wer es nebenberuflich ausübt. Die Anmeldung muss erfolgen, sobald das Gewerbe

  • nachhaltig und
  • mit Gewinnerzielungsabsicht

ausgeübt wird. Einzelne selbstständige oder ehrenamtliche Aufträge während des Studiums sind also in Ordnung; eine dauerhafte gewerbliche Tätigkeit ist meldepflichtig.

 
3.4.2.2.  Steuern

Alle Einkünfte – egal ob haupt- oder nebenberuflich – müssen nach den üblichen Vorschriften versteuert werden. Drei Ausnahmeregelungen für nebenberufliche Tätigkeiten sind im Kapitel Steuern beschrieben.

 
3.4.2.3.  Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung

In der Krankenversicherung wird es bei nebenberuflichen Tätigkeiten komplizierter – insbesondere für Studenten, da es für sie dort grundsätzlich vier Möglichkeiten gibt:

  • kostenlose Familienversicherung,
  • preisgünstige studentische Krankenversicherung,
  • Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung,
  • Versicherungsfreiheit.

Familienversicherung:

Studentinnen und Studenten, deren Eltern Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung sind, sind dort bis zum 25. Lebensjahr beitragsfrei mitversichert. Auch Ehepartner ohne eigenes Einkommen fallen unter die kostenlose Familienversicherung.

Dieser Vorteil gilt allerdings nur so lange, wie die genannten Familienmitglieder

  • nicht hauptberuflich, d.h. laut Bundessozialgericht "nicht mehr als halbtags" arbeiten (auch nicht in den Semesterferien!) und dabei
  • kein Gesamteinkommen über 350 € im Monat haben (bei einem Minijob - ob selbstständig oder nichtselbstständig - sind 400 € im Monat erlaubt).

Studentische Krankenversicherung:

Studenten, die die oben genannten Arbeits- oder Verdienstgrenzen überschritten haben, die älter als 25 Jahre sind oder deren Eltern privat krankenversichert sind, sind pflichtversichert in der studentischen Krankenversicherung.

Die studentische Krankenversicherung erlaubt eine sehr umfangreiche Erwerbstätigkeit neben dem Studium. Wer "ordentlich" studiert und nebenher arbeitet, braucht so lange keine zusätzlichen Beiträge zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zu zahlen, wie seine "Zeit und Arbeitskraft überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen wird". Dabei sind in der Regel erlaubt

  • Dauerjobs mit bis zu 20 Stunden pro Woche,
  • Beschäftigungen mit über 20 Stunden pro Woche, die
    • nur während der Semesterferien oder
    • im einzelnen nicht länger als zwei Monate am Stück und
    • insgesamt nicht länger als 26 Wochen im Jahr (auch beim selben Arbeitgeber möglich)
    ausgeübt werden.

In bestimmten Fällen kann während der Vorlesungszeit sogar noch länger gearbeitet werden, z.B. es sich um Wochenend- oder Nachtarbeit handelt, neben der weiterhin ein ordnungsgemäßes Studium (mit mindestens 20 Stunden pro Woche) möglich ist. Im Zweifelsfall sollte man das vorher mit der Krankenkasse absprechen.

Diese Versicherungsfreiheit ist unabhängig vom Arbeitsentgelt. Auch wer einen bombig bezahlten Dauerjob hat, den er während Semesterferien in Vollzeit und während der Vorlesungszeit mit 20 Wochenstunden ausübt, bleibt damit versicherungsfrei, sofern er nur "nach seinem Erscheinungsbild als Student anzusehen ist".

Aber Vorsicht: Das gilt nur für "ordentliche Studierende", die mit dem Ziel eines Hochschulabschlusses studieren. Wer nach der Abschlussprüfung einfach immatrikuliert bleibt, ist kein "ordentlicher" Student mehr und muss auch für Beschäftigungen im oben angegebenen Rahmen wie jeder Arbeitnehmer die üblichen Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Wer dagegen von einem Unternehmen angestellt wird, um nichts anderes zu tun als seine Diplomarbeit zu schreiben, bleibt "nach seinem Erscheinungsbild Student" und damit versicherungsfrei – auch wenn es ein Vollzeitjob ist. Doktoranden wiederum gelten nicht mehr als "ordentliche Studierende" und sind in jeder Beschäftigung versicherungspflichtig.

Gesetzliche Sozialversicherung:

Wer einen Angestelltenjob über den oben genannten Rahmen hinaus annimmt, verliert damit den Schutz der studentischen Krankenversicherung und muss wie jeder andere Angestellte die normalen Beiträge zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlen.

Versicherungsfreiheit für Selbstständige:

Alle selbstständigen Tätigkeiten, egal ob hauptberuflich, nebenberuflich oder neben dem Studium, sind versicherungsfrei. Aber auch hier sind die oben genannten Grenzen zu beachten:

  • Wer mit selbstständiger Arbeit mehr als 350 € im Monat verdient, fliegt aus der Familienversicherung raus.
  • Studenten, die regelmäßig mehr als 20 Stunden pro Woche selbstständig arbeiten, fliegen aus der studentischen Krankenversicherung und müssen sich freiwillig oder privat krankenversichern.
  • Angestellte fliegen sogar aus der gesetzlichen Krankenversicherung, wenn das Einkommen aus ihrer ursprünglich nebenberuflichen selbstständigen Tätigkeit das Angestelltengehalt übersteigt. Auch sie müssen sich dann freiwillig oder privat krankenversichern.

 
3.4.2.4.  Rentenversicherung

Ganz anders ist die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung geregelt: Hier gibt es seit 1996 keine Sonderregelungen für Studenten mehr. Wer also neben dem Studium mehr als geringfügig oder kurzfristig beschäftigt ist, d.h. wer mit einer nichtselbstständigen Tätigkeit

  • mehr als 400 € im Monat verdient oder
  • mehr als zwei Monate am Stück oder 50 Tage im Jahr beschäftigt ist,

muss dafür die normalen Beiträge zur Rentenversicherung abführen.

Wer neben dem Studium oder einem Angestelltenjob selbstständig arbeitet, wird daraus nur dann rentenversicherungspflichtig, wenn er zu den arbeitnehmerähnlichen Selbstständigen oder den selbstständigen Lehrkräften gehört.

 

 

[ Letzte Änderung: 28. Januar 2006]
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