Der Start
 

 
 

3.5.  Interessenvertretung

Mehr noch als Angestellte sind Selbstständige bei der Kommunikation mit Berufskolleginnen und -kollegen auf Berufsvereinigungen angewiesen. Wer im Alltag allein in seinem Büro sitzt, findet hier Erfahrungsaustausch und in der Regel viele Hinweise für die Berufspraxis. Zudem übernehmen Berufsverbände häufig beruflichen Rechtsschutz, erstellen Gehaltsumfragen und Honorarempfehlungen und bieten preisgünstige Spezialversicherungen an.

Auch wenn in der Internet-, EDV- und Kommunikationsbranche die Bildung von Berufsverbänden noch ziemlich am Anfang steht, sollten eigentlich alle E-Lancer einem solchen Verband beitreten (oder auch einen eigenen gründen).

 
3.5.0.1.  Berufsverbände

Neben den "klassischen" Berufsverbänden der Journalistinnen, Designer und Werbe-Leute, die sich auch um E-Lancer kümmern, gibt es inzwischen einige Verbände, die sich speziell um die IT-Branche kümmern. Da diese Szene noch sehr in Bewegung ist, können hier zunächst ohne Bewertung nur wenige Verbände genannt werden. (Für Hinweise zur Komplettierung dieser Liste, auch über Erfahrungen mit einzelnen Verbänden, bin ich dankbar.) Interessant für E-Lancer könnten sein

 
3.5.0.2. ver.di

Nachdem die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mit ihren Fachgruppen Journalismus (dju) und Rundfunk/Film/AV-Medien bereits zur führenden Interessenvertretung für freie Journalistinnen und Journalisten geworden ist, weitet sie diese Tätigkeit derzeit auf E-Lancer sowie selbstständige Dozenten und Trainerinnen aus. Diese Arbeit zielt vor allem auf "Alleinunternehmer" oder auch "Mikrounternehmen", die zwar in Netzwerken mit anderen Selbstständigen, aber im Wesentliche ohne eigene Arbeitnehmer arbeiten. Etwa 30.000 solcher Selbstständiger sind bisher Mitglied bei ver.di - E-Lancer im Internet und Software-Bereich gehören laut ver.di-Satzung ausdrücklich dazu.

Ihre Kompetenz in diesem Feld hat ver.di in den letzten Jahren mit mehreren Projekten nachgewiesen. Zu nennen sind insbesondere

  • Mediafon, die Telefonberatung von ver.di für Selbstständige in Medienberufen (für alle Fragen, die dieser Ratgeber nicht beantwortet: 01805 754444, Mo. – Fr. 10 – 16 Uhr),
  • die ver.di-innotec (früher: Kooperationsbüro Multimedia und Arbeitswelt) mit dem Schwerpunkt Telearbeit und Bildschirmarbeitsplätze und verschiedenen Projekten wie Frauen im Netz, Honorarumfrage Multimedia und "Online Rights for Online Workers",
  • OnForTe (Online-Forum Telearbeit), die bundesweit erste Arbeitnehmerberatung im Bereich Telearbeit und Telelearning, mit eigener Beratungshotline (01805 245678, Mo. – Fr. 8 – 16 Uhr),
  • connexx.av, ein ver.di-Projekt für Multimedia, Internet, Privatfunk und Film, das Anfang 2001 von sich reden machte, als es bei Pixelpark und EM.TV die Wahl von Betriebsräten initiierte,
  • und nicht zuletzt dieser Ratgeber E-Lancer, der das ver.di-Standardwerk Ratgeber Freie - Kunst und Medien ergänzt und als umfassender Grundlagen-Ratgeber im Netz ziemlich einzigartig dasteht.

Eine spezielle ver.di-Berufsgruppe Grafikdesign und Mediengestaltung, die designers union wurde im Sommer 2003 gegründet; Online-Journalisten sind schon sehr zahlreich in der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union (dju) vertreten.

Ganz ehrlich muss aber gesagt werden, dass die Arbeit im Bereich von E-Lancern noch am Anfang steht: Wer heute als E-Lancer Mitglied von ver.di wird, kann sich (noch) nicht in ein gemachtes Bett setzen – aber kann dafür viel Einfluss auf die künftige Interessenvertretungspolitik nehmen. Nach dem erfolgreichen Aufbau der Arbeit für freie Journalisten ist aber auch in diesem Bereich über kurz oder lang eine ähnlich effektive Arbeit zu erwarten. Oder sagen wir erst mal: zu erhoffen.

Neben den üblichen Leistungen einer Gewerkschaft (Zeitschrift, kostenlose Freizeitunfallversicherung, Rechtsberatung, günstige Versicherungen usw.) ist als besonderer Vorteil für Selbstständige im ver.di-Mitgliedsbeitrag ein Berufsrechtsschutz enthalten, der sich unter anderem auch auf das Eintreiben überfälliger Honorare und auf Urheberrechtsstreitigkeiten bezieht. Zudem bietet ver.di Berufsanfängerseminare für Selbstständige an, die speziell auf die Belange von E-Lancern ausgerichtet sind.

Der Mitgliedsbeitrag beträgt für Selbstständige monatlich 0,8 Prozent des Monatsumsatzes; wer sein Einkommen noch nicht weiß, zahlt 15 €. Weitere Informationen zur Mitgliedschaft, zu ver.di, Kontaktadressen und ein Beitrittsformular finden sich auf der ver.di-Web-Site.

 

 

[ Letzte Änderung: 1. Januar 2005]
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