Verträge und HonorareVerträge
 

 
 

5.1.1. Verträge selber machen?

Geht man wie im letzten Kapitel beschrieben an einen Vertrag heran, wird die Sache schon viel einfacher. Verträge brauchen keineswegs möglichst viele möglichst schwer verständliche Formulierungen zu enthalten, sondern sollen im Gegenteil möglichst einfach und klar sagen, was beide Seiten vereinbart haben.

Zudem sind viele mögliche Streitfragen gesetzlich geregelt. Sätze wie "Für Mängel in der Web-Site haftet der Auftragnehmer nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen" kann man sich also getrost sparen – natürlich haftet er danach, auch ohne dass es im Vertrag steht. Das haben gesetzliche Bestimmungen nun mal so an sich. Ausführungen sind hier nur nötig, wenn man von den gesetzlichen Bestimmungen abweichen will.

Wer das will, sollte sich allerdings von einem Anwalt helfen lassen. Denn nicht alle Vertragsfragen sind in Deutschland frei vereinbar. Ein Vertragspassus zum Beispiel, nach dem die Auftragnehmerin Mängel an der Web-Site nicht mehr zu beheben braucht, wenn diese erst einen Monat nach Abnahme der Site oder noch später moniert werden, wäre gesetzwidrig und damit nichtig: Die gesetzliche Gewährleistungspflicht von neuerdings zwei Jahren kann durch einen Vertrag nicht verkürzt werden.

Ebenfalls nicht ohne Beratung unterschreiben sollte man Verträge über ein sehr hohes Auftragsvolumen, mit einer sehr schwierigen Haftungslage oder ganz allgemein Verträge, deren Folgen man selber nicht restlos überblickt. Für ver.di-Mitglieder ist in solchen Fällen eine kostenlose Vertragsberatung im Beitrag enthalten.

Anwaltliche Hilfe ist schließlich auch angeraten, wenn eine E-Lancerin eigene Allgemeine Geschäftsbedingungen formulieren oder einen eigenen Mustervertrag ausarbeiten will, den sie im Alltag immer wieder braucht.

In allen anderen Fällen können E-Lancer ihre Verträge durchaus selber machen. Wenn die Vertragsparteien sich einig sind und vielleicht sogar schon eine Vertrauensbasis aus früheren Aufträgen besteht, geht so gut wie nie etwas schief. Als Hilfestellung bieten etliche Berufsorganisationen und Verbände Musterverträge an, die man in einigen Fällen unverändert oder nur mit geringfügigen Modifikationen übernehmen, in jedem Fall aber als Anregung benutzen kann.

Die umfangreichsten Sammlungen solcher Musterverträge und Muster-AGB findet man auf den Web-Sites der IHK Frankfurt am Main und des Jura-Café; die Berliner Kanzlei Härting bietet im Internet eine Reihe von Musterverträgen speziell für E-Lancer an. In diesen Sammlungen findet man unter anderem Muster für

  • EDV-Beratungsverträge,
  • freie-Mitarbeiter-Verträge,
  • GbR-Verträge,
  • Geschäftsführer-Verträge,
  • GmbH-Satzung,
  • Provider-Verträge,
  • Software-Verträge,
  • Software-Wartungsverträge,
  • Web-Design-Verträge und andere.

Freilich muss man sich auch solche Musterverträge genau anschauen – auch da gibt es schließlich so'ne und so'ne. Ob die Verträge auftraggeber- oder auftragnehmerfreundlich sind, erkennt man am schnellsten jeweils an den Haftungsbedingungen. Am vertrauenswürdigsten sind die, die von Berufsverbänden von E-Lancern ausgearbeitet wurden, etwa die Design-AGB der Allianz Deutscher Designer (AGD).

 

 

[ Letzte Änderung: 1. Juli 2004]
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