Kooperation
 

 
 

6.4.  Gesellschaftsformen

Sich selbst darüber klar zu werden, was man gemeinsam tun und lassen will, das ist die eine Frage. Eine ganz andere Frage ist es, welche Gesellschaftsform man dafür wählt. Je nach Zielsetzung, Arbeitsbereich und wirtschaftlichem Risiko kommen dafür die Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die OHG, die GmbH und die Partnerschaftsgesellschaft in Frage. Die Vor- und Nachteile dieser Formen werden im Folgenden behandelt, ohne aber auf Vertragsdetails einzugehen: Wer ein "richtiges" Unternehmen mit einem richtigen Vertrag gründen will, sollte sich dafür einen Anwalt nehmen.

Andere Gesellschaftsformen wie die kleine Aktiengesellschaft und die GmbH & Co. KG, die in dieser Branche auch vertreten sind, sollen hier erstmal außer Betracht bleiben: Sie sind zu weit vom Alltag von E-Lancern entfernt – und mit zu vielen "anwaltswürdigen" Rechtsfragen verbunden. Auch die englische "Limited", die neuerdings von vielen als "GmbH ohne Gesellschaftskapital" gepriesen wird, ist bei näherem Hinsehen alles andere als eine einfache und preiswerte Lösung.

 
6.4.0.1.  Natürliche und juristische Personen

Die Komplikationen des "Gesellschaftsrechts", von denen ganze Anwaltskanzleien leben, sollen hier nicht ausgebreitet werden. Für E-Lancer, die sich zu einer Gesellschaft zusammentun, ist vor allem eine Frage entscheidend: Behalten die Mitglieder der Gesellschaft ihren Status als persönlich haftende Unternehmer, oder wird die Gesellschaft zu einer eigenen "Rechtspersönlichkeit"?

"Personengesellschaften" wie die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder die Offene Handelsgesellschaft (OHG) sind im Grunde Zusammenschlüsse selbstständiger und gleichberechtigter Unternehmer, von denen jeder für alle Geschäfte der Gesellschaft mit seinem vollen Privatvermögen haftet und im Grundsatz auch für jeden abgeschlossenen Vertrag verantwortlich ist.

Wird die Gesellschaft dagegen so konstruiert, dass sie selbst (und nicht nur das einzelne Mitglied) Verträge abschließen, Geld einnehmen, Schulden machen oder Arbeitnehmer beschäftigen kann, so spricht man von einer "juristischen Person" (im Gegensatz zur "natürlichen Person", womit die Juristen einen Menschen meinen).

"Juristische Personen" wie die GmbH oder die AG haften nur mit ihrem, d.h. mit dem Gesellschaftsvermögen. Sie sind voll körperschafts-, gewerbe- und umsatzsteuerpflichtig und erlauben sogar die zunächst überraschende Konstruktion, dass sie ihre eigenen Gesellschafter als Arbeitnehmer anstellen können.

Die Partnerschaftsgesellschaft liegt irgendwo dazwischen.

 
6.4.0.2.  Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Es ist ganz einfach: Eine Gemeinschaft, die nicht weiß, was sie ist, ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. E-Lancer, die irgendeine Form von Zusammenarbeit vereinbaren, haben damit auch ohne schriftlichen Vertrag schon eine GbR gegründet. Das bedeutet nichts weiter, als dass zwischen ihnen in allen Fragen, die nicht vertraglich geregelt sind, die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) gelten – weshalb diese Gesellschaftsform manchmal auch BGB-Gesellschaft heißt. Aber auch ein ausgewachsenes Unternehmen von mehreren Freiberuflerinnen kann als GbR konstruiert werden.

Mitglieder einer GbR haften gemeinsam für alles, was sie gemeinsam unternehmen – aber nicht für mehr. In einer reinen Kostenteilungsgemeinschaft, deren Mitglieder gemeinsam ein Büro mieten, aber ansonsten auf eigene Rechnung arbeiten, haftet also jedes Mitglied mit seinem Privatvermögen für die Miete – nicht aber für den Programmfehler, mit dem sich ein anderes Mitglied der Bürogemeinschaft eine Schadenersatzklage eingehandelt hat. Ist der Zweck der GbR aber die Erstellung von Software, so haften alle Mitglieder mit ihrem vollen Privatvermögen für solche Fehler. Zwar lässt sich diese Haftung wieder über Verträge mit einzelnen Kunden beschränken – aber wer das will, sollte lieber gleich an eine GmbH denken.

Tritt die GbR nach außen in Erscheinung, so muss sie in ihrem Unternehmensnamen den vollen Vor- und Zunamen (bei Freiberuflern reicht der Zuname) von mindestens zwei Gesellschaftern tragen. Reine Phantasienamen sind nicht erlaubt.

Die GbR ist keine eigene Rechtspersönlichkeit. Sie kann zwar Verträge abschließen; diese müssen aber im Grunde von jedem einzelnen Mitglied unterschrieben sein, um für alle bindend zu sein. Es sei denn, die GbR hat ein Mitglied ausdrücklich bevollmächtigt, die Gesellschaft zu vertreten und in ihrem Namen Verträge abzuschließen. Sie kann dazu natürlich auch ein Nicht-Gesellschaftsmitglied als Geschäftsführer einstellen. (Hier ändert sich die Rechtsauffassung allerdings allmählich: Der Grundsatz, dass eine GbR kein eigenes Vermögen hat und nicht als GbR klagen und verklagt werden kann, ist in letzter Zeit durch einige Urteile aufgeweicht worden.)

Die GbR ist ein neues Steuersubjekt. Sie ist

  • umsatzsteuerpflichtig,
  • als gewerbliche GbR gewerbesteuerpflichtig,
  • nicht körperschafts- und einkommensteuerpflichtig.

Einkommensteuerpflichtig sind die einzelnen Mitglieder der GbR, denen alle Überschüsse und Rücklagen anteilig zugerechnet werden müssen. Die GbR kann also keine eigenen Gewinne machen und kein eigenes Vermögen bilden. Diese Verteilung muss für das Finanzamt nachvollziehbar und überprüfbar erfolgen. In der Regel ist dazu eine "gesonderte und einheitliche Gewinnfeststellung" erforderlich; in Fällen von geringer Bedeutung, etwa wenn es bei einer Bürogemeinschaft lediglich um die Aufteilung der Mietkosten geht, geben sich die Finanzämter meist auch mit einer internen Kostenabrechnung zufrieden. Außerdem entfällt die Gewerbesteuerpflicht und die "gesonderte und einheitliche Gewinnfeststellung" bei Arbeitsgemeinschaften in Form einer GbR, die nur zur Durchführung eines einzigen Werkvertrages gebildet wurden.

Die GbR als Gesellschaftsform ist erlaubt für

  • freiberuflich tätige Unternehmen ohne Begrenzung,
  • gewerblich tätige Unternehmen bis zu einer Grenze, für die ein Umsatz von 500.000 € im Jahr als Richtschnur dienen kann..

Überschreitet eine gewerbliche GbR diese Grenze, so wird sie zur Personenhandelsgesellschaft (OHG), die obligatorisch ins Handelsregister eingetragen wird. Auch die GbR, die sich freiwillig ins Handelsregister eintragen lässt, wird automatisch zur OHG.

Eine GbR kann durch mündliche Vereinbarung geschlossen werden; ein schriftlicher Vertrag empfiehlt sich vor allem dann, wenn die GbR Gewinn erzielen und/oder dauerhaft bestehen soll. Neben den in den vorigen Kapiteln bereits aufgeworfenen Fragen sollte der Vertrag für eine ausgewachsene GbR insbesondere klären:

  • Vertragspartner, Name und Zweck der Gesellschaft.
  • Wer erbringt welche Leistungen, wer bringt welche Einlagen ein, wie hoch sind die jeweiligen Anteile am gemeinsamen Vermögen und am Gewinn?
  • Wer darf für die GbR Verträge abschließen? Wie weit reicht die Vollmacht, z.B. bis zu welcher Ausgaben- und Honorarhöhe? (Fehlt eine solche Vollmacht, so muss jeder Vertrag der GbR von jedem einzelnen GbR-Mitglied unterschrieben werden!)
  • Wer ist für die regelmäßige Rechnungslegung verantwortlich? Zu welchem Termin?
  • Was geschieht, wenn eine Gesellschafterin stirbt oder aus dem Vertrag aussteigen will, also kündigt? (Wenn nichts anderes vereinbart ist, ist die GbR damit automatisch aufgelöst!)

Ein sehr allgemein gehaltener Mustervertrag für eine GbR mit Erläuterungen steht bei der IHK Frankfurt/Main im Netz.

 
6.4.0.3.  OHG, KG, GmbH & Co. KG

Lässt sich eine GbR in das Handelsregister eintragen oder macht eine gewerbliche GbR hohen Umsatz (Richtgröße: 350.000 € im Jahr), so wird sie automatisch zur Offenen Handelsgesellschaft (OHG). Die OHG ist eine Art "GbR de Luxe":

In der Frage der Haftung, der Vertretung der Gesellschaft nach außen und des Steuerrechts entspricht sie der GbR. Anders jedoch als die GbR

  • muss die OHG ins Handelsregister eingetragen werden,
  • kann sich die OHG einen einfacheren Namen zulegen ("Müller OHG"),
  • unterliegt die OHG immer der Pflicht zur doppelten Buchführung,
  • ist die OHG im begrenzten Rahmen eine eigene Rechtspersönlichkeit, d.h. sie kann ins Grundbuch eingetragen werden und kann unter ihrem Namen klagen und verklagt werden,
  • unterliegt die OHG den strengeren Regeln des Handelsgesetzbuches.

Wird der Kreis der persönlich haftenden Gesellschafter der OHG um Gesellschafter erweitert, die nicht mit ihrem vollen Privatvermögen, sondern nur mit ihrer Gesellschaftseinlage haften, so entsteht eine Kommanditgesellschaft (KG). Diese "Kommanditisten" sind also eine Art "Gesellschafter mit beschränkter Haftung". Sie dürfen deshalb nicht mit der Geschäftsführung betraut und nicht im Namen der Gesellschaft genannt werden und nehmen auch nur entsprechend ihrem Gesellschaftsanteil am Gewinn teil.

Ist der persönlich (also mit seinem vollen Privatvermögen) haftende Gesellschafter der KG eine GmbH, so heißt das Ganze GmbH & Co. KG und genießt häufig nicht allzu viel Vertrauen, da die beteiligten Personen sich hier alle der persönlichen Haftung entziehen. Die gesetzliche Kontrolle der GmbH & Co. KG ist inzwischen aber der GmbH angeglichen worden.

Um die möglichen Vorteile solcher Gesellschaftsformen für das eigene Geschäft auszuloten und zu realisieren, bedarf es der Beratung durch einen Anwalt.

 
6.4.0.4.  Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Im Unterschied zu den bisher genannten "Personengesellschaften" sind "Kapitalgesellschaften" wie die GmbH ohne Einschränkung eigene Rechtspersönlichkeiten. Sie dürfen also wie ein Mensch Verträge abschließen, können eigenes Vermögen ansammeln und sind sogar einkommensteuerpflichtig. Nur dass die Einkommensteuer der GmbH Körperschaftssteuer heißt. Für ihre Verträge und Geschäfte haftet die GmbH dementsprechend mit ihrem vollen eigenen Vermögen – d.h. nur mit dem Gesellschaftsvermögen. Eine Haftung der einzelnen Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen ist nicht vorgesehen.

Dem Vorteil der GmbH, dass selbst bei hochriskanten Geschäften das Risiko der Gesellschafter sich immer auf ihren Gesellschaftsanteil beschränkt, steht eine Reihe von Auflagen und Kontrollvorschriften gegenüber: GmbHs

  • müssen ins Handelsregister eingetragen werden,
  • sind immer zur doppelten Buchführung verpflichtet,
  • benötigen ein Gesellschaftskapital von mindestens 25.000 €, das bei Gründung mindestens zur Hälfte eingezahlt sein muss,
  • brauchen zur Gründung einen notariell beglaubigten Gesellschaftervertrag,
  • müssen zwingend einen alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführer bestellen,
  • müssen jedes Jahr ihren Jahresabschluss veröffentlichen.

Die Gründung ist bei einer GmbH also deutlich aufwendiger und teurer als bei einer GbR, und auch jede spätere "Änderung an der Gesellschaft" erfordert hohen Aufwand: Soll z.B. der Gesellschaftsvertrag geändert werden oder scheidet ein Mitglied aus, so müssen sich jedes Mal alle Mitglieder beim Notar versammeln (und Notargebühren abdrücken). Um die angestrebten Vorteile der GmbH tatsächlich realisieren zu können, sollte der Gesellschaftervertrag unbedingt von einem Anwalt entworfen werden.

Die GmbH ist unbeschränkt gewerbe-, umsatz- und körperschaftssteuerpflichtig; die Gesellschafter sind für ihre Gewinnanteile einkommensteuerpflichtig.

Bei den Steuerfragen ist zu beachten, dass Verluste der GmbH nicht auf die Gesellschafter übertragen werden können. Dies kann in der Startphase ein erheblicher Nachteil sein: Der GbR-Gesellschafter kann seine Verluste z.B. mit den Einkünften seiner Frau oder eigenen Einkünften aus anderen Geschäften verrechnen – der GmbH-Gesellschafter dagegen, der gleichzeitig als Geschäftsführer der GmbH fungiert, muss selbst bei hohen Verlusten der Gesellschaft sein Geschäftsführergehalt voll versteuern.

Wer mit dem Gedanken spielt, die beschränkte Haftung der GmbH zu unsauberen Geschäften auszunutzen, sollte sich vorsehen: Der GmbH-Geschäftsführer ist gesetzlich verpflichtet, bei einer Überschuldung der Gesellschaft sofort Insolvenz anzumelden. Tut er das nicht, haftet er persönlich für den weiteren Schaden und macht sich sogar strafbar.

Ein weiterer Vorteil der GmbH kann neben der beschränkten Haftung und der größeren Kreditwürdigkeit in bestimmten Fällen die Möglichkeit sein, dass die GmbH ihre Gesellschafter als Arbeitnehmer einstellen kann. Diese können dann – mit Ausnahme von "beherrschenden" Geschäftsführern, die zugleich Gesellschafter sind – voll sozial- und auch arbeitslosenversichert werden.

Eine GmbH kann auch mit einem einzigen Gesellschafter als "Ein-Personen-GmbH" gegründet werden.

 
6.4.0.5.  Partnerschaftsgesellschaft

Einen Zwitter zwischen Personen- und Kapitalgesellschaft stellt die Partnerschaftsgesellschaft dar, die im Juli 1995 als neue Gesellschaftsform speziell für freie Berufe eingeführt wurde: Sie ist einerseits eine Personengesellschaft ähnlich der OHG, kann aber andererseits wie eine Kapitalgesellschaft Verträge im eigenen Namen abschließen.

Gegenüber den bisher genannten Gesellschaftsformen hat die Partnerschaftsgesellschaft zwei wesentliche Vorteile:

  • Sie gibt Freiberuflern die Möglichkeit, sich zu einer Gesellschaft zusammenzuschließen, ohne damit gleich die Gewerbesteuerfreiheit zu verlieren: Die Partnerinnen in einer solchen Gesellschaft behalten wie in einer GbR ihren Status als selbstständige Freiberuflerinnen.
  • Sie eröffnet zugleich eine neue Möglichkeit der Haftungsbeschränkung: Zwar haften grundsätzlich alle Partnerinnen gemeinsam mit ihrem Privatvermögen – die Haftung der einzelnen kann jedoch im Gesellschaftsvertrag auf das beschränkt werden, was sie selbst verbockt hat. Anders als in der GbR kann hier also vertraglich ausgeschlossen werden, dass die Web-Designerin mit ihrem Privatvermögen für die Beratungsfehler haften muss, die ihrer Partnerin, der Systemanalytikerin, unterlaufen sind.

Zur Gründung einer Partnerschaftsgesellschaft ist kein Gesellschaftsvermögen, wohl aber ein schriftlicher Vertrag erforderlich. Die Musterverträge im Netz sind mit den üblichen Vorbehalten zu genießen; ein Mustervertrag für eine Architektenpartnerschaft kann zumindest als Anregung dienen. Wer die möglichen Vorteile dieser Gesellschaftsform tatsächlich ausnutzen will, sollte so einen Vertrag ohnehin nicht ohne Anwalt aufsetzen.

Die Partnerschaftsgesellschaft muss im Partnerschaftsregister beim zuständigen Amtsgericht eingetragen werden, was bei einem Mindestgeschäftswert von 25.000 € rund 125 € kostet.

Der Name der Partnerschaft muss den Namen mindestens eines Partners, die in der Partnerschaft vertretenen Berufe sowie den Zusatz "und Partner", "Partnerschaft" oder "Partnergesellschaft" enthalten, also z.B. "Bill Gates und Partner, Programmierer" oder "Musikantenpartnerschaft Harrison, Lennon, McCartney und Starr".

 

 

[ Letzte Änderung: 24. Juni 2007]
Zum Inhaltsverzeichnis
Zum Seitenanfang
Zur Suche
Eine Seite zurück:
6.3. Netzwerke
Weiter im Text:
6.5. Hierarchien
7. Rechtsfragen