Rechtsfragen
 

 
 

7.3.  Urheberrecht

Wohl kein Recht wird im Internet so oft gebrochen wie das Urheberrecht. Da werden fremde Texte, Fotos, Grafiken, Programme und ganze Web-Sites gnadenlos kopiert, in die eigene Web-Site eingebunden, verbreitet oder gar verkauft – und die Urheberinnen werden so gut wie nie gefragt. Meist erfahren sie gar nicht davon.

Viele E-Lancer leben aber von ihren Urheberrechten. Sie verdienen ihr Geld damit, dass sie anderen die Erlaubnis erteilen, von ihnen geschaffene "Werke" wie Computerprogramme, Web-Sites, Datenbanken oder Texte zu vervielfältigen, ins Netz zu stellen, zu senden, zu drucken oder sonst wie zu verbreiten. Wer das ohne ihre Erlaubnis tut, klaut ihnen bares Geld. E-Lancer müssten also eigentlich ein ganz egoistisches Interesse daran haben, dass das Urheberrecht im Netz beachtet wird.

Leider finden sich E-Lancer in diesem Konflikt aber nicht nur auf der Opfer-, sondern auch auf der Täterseite. Auch von ihnen gehen viele äußerst lax mit dem Urheberrecht um, wenn es darum geht, Computerprogramme oder Datenbanken zu kopieren oder schöne Texte, Fotos, Musik und Grafiken für den aktuellen Web-Site-Auftrag zu finden.

Dieses Kapitel soll daher nicht nur die für E-Lancer wichtigsten Bestimmungen des Urheberrechts darstellen, sondern auch ein wenig Sensibilität für dieses Thema schaffen: Es ist die Lebensgrundlage für viele E-Lancer.

(Dieses Kapitel konzentriert sich auf die IT-relevanten Aspekte des Urheberrechts. Wer darüber hinaus künstlerische oder publizistisch tätig ist, sollte sich meinen "Ratgeber Freie" besorgen, in dem das Urheberrecht für diese Berufe ausführlicher erläutert wird.)

 
7.3.0.1.  Exkurs: Urheberrecht und Freiheit im Netz

Das Internet ist zum Erfolg geworden, weil es frei war. Frei von Vorschriften und Reglementierungen und (weitgehend) frei von Gebühren. Weil auch kleine Leute, die keine Zeitung, keine Rundfunkanstalt und nur wenig Geld besitzen, plötzlich Nachrichten weltweit verbreiten konnten. Das Internet hat das Grundgesetz, nach dem jedermann das Recht hat, "seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten", erst wirklich für jedermann und jedefrau praktikabel gemacht.

Das ist ein wichtiges Gut, und nicht wenige sehen im Urheberrecht einen Verstoß gegen dieses Grundprinzip des Netzes. Ich sehe diesen Widerspruch nicht.

Manche argumentieren, dass Megastars ohnehin schon unanständig viel Geld verdienen und es deshalb verschmerzen können (oder gar verdient haben), wenn ihre Songs honorarfrei im Internet verbreitet werden. Nur: Wenn statt der Urheber und der Plattenkonzerne daran Napster und Bertelsmann verdienen – ist das die Freiheit, die wir meinen?

Zudem verstellen die Megastars den Blick auf das eigentliche Problem. Auf die Einhaltung des Urheberrechts sind nicht so sehr die Stars angewiesen, sondern die Hunderttausende kleiner Autorinnen, Programmierer, Musikerinnen, Web-Designer, die mit ihrer Arbeit nicht mehr als ein ganz normales Gehalt verdienen wollen (und oft nicht mal das schaffen). Sie werden auch nicht so sehr vom Nachbarn bedroht, der mein Foto in seine private Homepage einbaut, sondern von den Medienkonzernen, die sich am liebsten sämtliche Urheberrechte unter den Nagel reißen möchten, ohne dafür zu zahlen. Das Urheberrechtsgesetz, das Urhebern seit Mitte 2002 eine "angemessene" Vergütung für jede Nutzung ihre Werke garantiert, versuchen sie seither rechtswidrig mit Total-buy-out-Geschäftsbedingungen zu umgehen.

Dieses Recht behindert nicht die Freiheit im Netz. Niemand, der diesen Ratgeber weiter verbreiten möchte, ist daran gehindert, mich zu fragen, ob er das darf. Über die Modalitäten kann man dann reden. Aber ich möchte verdammt noch mal gefragt werden, wenn jemand sich mit meiner Arbeit schmückt und damit vielleicht sogar noch Geld verdienen will.

Es ist niemand daran gehindert, Links auf diesen Ratgeber zu setzen, wenn er ihn wichtig findet. Das ist für mich immer noch das Wesen des Netzes: Informationen zu vernetzen, zugänglich zu machen. Nicht Kohle zu scheffeln.

Es ist auch niemand daran gehindert, seine Software für frei zu erklären oder sich an Gemeinschaftprojekten wie Linux zu beteiligen. Ich finde das gut. Aber wenn andere anfangen, meine Freeware zu Geld zu machen, dann hört der Spaß auf.

So, das musste ich mal los werden. Passt einfach ein bisschen mehr auf eure eigenen Rechte auf!

 

 

[ Letzte Änderung: 1. Juli 2004]
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