Steuern
 

 
 

8.0.1.  Ein paar notwendige Vorbemerkungen für Anfänger

Wer bisher nur als Angestellter Steuern gezahlt hat, sollte sich zunächst einige wichtige Unterschiede zu den Steuererklärungen klarmachen, die er nun als Selbstständiger abzugeben hat:

 
8.0.1.1.  Steuerbescheide unter Vorbehalt

Während bei Angestellten der Arbeitgeber die Lohnsteuer berechnet, vom Gehalt einbehält und an das Finanzamt abführt, müssen Selbstständige alle für die Festlegung der Steuern notwendigen Angaben dem Finanzamt selbst machen – und zwar unaufgefordert – und die Steuern selbst überweisen.

Das Finanzamt verlässt sich zunächst auf diese Angaben. Es prüft im Normalfall lediglich, ob die Zahlen schlüssig sind und ob keine Rechenfehler vorliegen – jedoch nicht, ob es den Drittcomputer, der zu Hause im Wohnzimmer steht, wirklich als Betriebsausgabe anerkennen will. Deshalb gelten die Steuerbescheide, die Selbstständige auf Grund ihrer Steuererklärungen erhalten, in aller Regel zunächst nur "unter dem Vorbehalt der Nachprüfung". Dieser Vorbehalt gilt bis zum Ende des vierten Kalenderjahres nach Abgabe der Steuererklärung. In dieser Zeit behält sich das Finanzamt vor, die Steuererklärung bei einer Betriebsprüfung unter die Lupe zu nehmen.

Dieses Verfahren hat drei wichtige Konsequenzen.

  • Keine Belege beifügen: Hat man als Gehaltsempfängerin gelernt, dem jährlichen Lohnsteuerjahresausgleich (der heute einfach Einkommensteuererklärung heißt) für jede Mark Werbungskosten eine ordentliche Quittung beizulegen, so brauchen Selbstständige ihrer Bilanz bzw. ihrer Einnahmenüberschussrechnung keinerlei Belege beizulegen. Die bringen das Finanzamt höchstens noch auf dumme Gedanken. Beifügen sollte man allerdings Belege für solche Ausgaben, die man als persönliche Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen (z.B. Spendenquittungen, Zahnarztrechnungen) anerkannt haben möchte. Will das Finanzamt ausnahmsweise mehr sehen, was bei Geringverdienern hin und wieder geschieht, dann meldet es sich.
  • Belege zehn Jahre lang aufbewahren: Das Finanzamt behält sich allerdings vor, sich irgendwann im Verlauf der oben genannten Frist (bei größeren Unternehmen sogar regelmäßig) zur Betriebsprüfung anzusagen und dann eines oder mehrere der letzten Steuerjahre komplett und detailliert durchzuprüfen. Dann müssen für sämtliche Ausgaben die Belege vorgelegt werden, und erst dann entscheidet sich auch, ob für den Drittcomputer im Wohnzimmer Steuern nachgezahlt werden müssen. Damit hier nichts schief geht, sollte man sämtliche Buchhaltungsunterlagen und -belege jeweils zehn Jahre lang (ab Ende des Buchungsjahres) aufbewahren.
  • Auch eigene Korrekturen sind möglich: Der "Vorbehalt der Nachprüfung" gilt während der oben genannten Frist auch für die Steuerpflichtigen. Wer also irgendwann tief unten im Schreibtisch Ausgabenbelege aus einem längst abgerechneten Steuerjahr findet, die er damals vergessen hat anzugeben, kann sie dem Finanzamt nachreichen und einen neuen Steuerbescheid verlangen.

Achtung: Der Vorbehalt der Nachprüfung muss auf dem Steuerbescheid ausdrücklich erklärt werden. Fehlt der Satz "Dieser Bescheid ergeht nach § 164 Abs. 1 AO unter Vorbehalt der Nachprüfung", so ist der Bescheid – nach Ablauf der Einspruchsfrist – rechtskräftig. Der Satz "Dieser Bescheid ist nach § 165 Abs. 1 AO vorläufig" hat damit nichts zu tun: Er macht lediglich einzelne Entscheidungen von noch ausstehenden höchstrichterlichen Entscheidungen abhängig.

 
8.0.1.2.  Vorsicht beim "Optimieren" der Steuererklärung!

Wer immer davon träumt, das Finanzamt auszutricksen und seine Steuererklärung ein wenig zu frisieren, sollte eines wissen: Das Finanzamt ist in der Lage, die in der Steuererklärung angegebenen Betriebseinnahmen zumindest stichprobenartig anhand von Kontrollmeldungen aus anderen Betriebsprüfungen nachzuprüfen – und es tut das auch ziemlich konsequent.

Liegt dem Finanzamt z.B. aus der Überprüfung des Weinladens um die Ecke eine Aufzeichnung vor, dass diese einer befreundeten Web-Designerin 1.000 Euro für die Gestaltung einer Homepage gezahlt hat, und finden sich diese 1.000 Euro nicht in deren Steuererklärung, dann kann es gut sein, dass sich wenig später ein Finanzbeamter bei ihr zur Betriebsprüfung anmeldet. Stellt sich dann heraus, dass sie dem Finanzamt Einnahmen verschwiegen hat, so ist das ein Straftatbestand, der neben der Steuernachforderung eine empfindliche Geldstrafe nach sich ziehen kann. In extremen Fällen, wie man von Steffi Grafs Vater weiß, sogar eine Gefängnisstrafe.

Hat sie dagegen Betriebsausgaben angegeben, die ihr das Finanzamt nicht anerkennen will, so wäre das allenfalls ein Straftatbestand, wenn es sich dabei um die Ledergarnitur im Wohnzimmer der Eltern handelt – also um vorsätzlich falsche Angaben. Bloßes Unwissen oder Irrtum aber kann ihr das Finanzamt nicht zum Vorwurf machen.

Also: Versucht nie, bei den Betriebseinnahmen herumzutricksen. Und rechnet ruhig mal aus, was für ein "Stundenlohn" bei der ganzen Fummelei an der Steuererklärung eigentlich herauskommt. Meist ist er geradezu lächerlich.

 
8.0.1.3.  Fristen und Strafgelder

Angestellte zahlen im Laufe des Jahres in der Regel zu viel Steuern. Für das Finanzamt ist das ein schönes und zudem zinsfreies Darlehen, weshalb es den Angestellten auch großzügig viel Zeit einräumt (zwei Jahre), die zu viel gezahlten Steuern zurückzuverlangen.

Ganz anders ist es bei Selbstständigen und Unternehmen, die in den meisten Fällen zu geringe Steuervorauszahlungen leisten. Bei ihnen sind die Fristen kürzer – und das Finanzamt achtet genau auf die Einhaltung.

Steuererklärungen müssen generell fünf Monate nach Ablauf des betreffenden Jahres abgegeben werden, für das Jahr 2003 also spätestens am 31.5.2004. Wird die Steuererklärung von einem Steuerberater bearbeitet, so verlängert sich die Abgabefrist automatisch auf neun Monate, also auf den 30.9.2004.

Wer es zu diesem Zeitpunkt nicht schafft, sollte das Finanzamt rechtzeitig um "stillschweigende Verlängerung" bitten. Die gilt schon als gewährt, wenn das Finanzamt auf den Antrag gar nicht antwortet. In der Regel werden solche Verlängerungen (solange sie nicht über den 30.9. hinausgehen) recht großzügig gewährt. Wer aber einfach schlampt und den Termin überzieht, ohne mit dem Finanzamt zu reden, dem kann ein Verspätungszuschlag von bis zu 10 Prozent der zu erwartenden Steuer aufgebrummt werden.

Zahlungstermine und -beträge werden jeweils im Steuerbescheid festgesetzt. Und da sind die Finanzämter ganz stur: Wenn das Geld nicht spätestens fünf Tage nach dem Fälligkeitstermin auf dem Konto der Behörde eingegangen ist, wird ohne weitere Warnung ein Säumniszuschlag von monatlich einem Prozent der verspäteten Summe fällig. Bei Voranmeldungen - also auch der Umsatzsteuervoranmeldung - gibt es ab 1.1.2004 nicht einmal mehr diese "Schonfrist" von fünf Tagen.

Besser ist es da, sich im Fall des Falles mit dem Finanzamt auf eine Stundung zu einigen. Meist genügt dazu ein Anruf oder ein formloser Antrag. Aber umsonst ist das nicht: Für gestundete Steuern (und auch für legal hinausgezögerte Steuernachzahlungen) kann das Finanzamt Zinsen verlangen – 0,5 Prozent pro Monat. Das ist in der Regel aber immerhin billiger als der Dispokredit der Hausbank.

 
8.0.1.4.  Finanzbeamte sind auch Menschen

Die Steuerstundung ist so ein Fall, in dem Finanzbeamte durchaus Ermessensspielraum haben. Wie sie ihn ausnutzen, das kann man beeinflussen.

Dummerweise sehen viele Steuerpflichtige im Sachbearbeiter beim Finanzamt ihren natürlichen Feind, mit dem sie nie persönlich reden, auf dessen Bescheide sie aber mit wütenden Briefen, Beschwerden und Schlimmerem reagieren.

Wer das braucht, kann das tun. Aber er sollte dann kein Entgegenkommen erwarten. Wieso ruft er den Menschen nicht einfach mal an und klärt die Sache ruhig am Telefon? Kollegen, die ihre erste Steuererklärung persönlich im Finanzamt vorbeigebracht und ein paar Worte mit der Sachbearbeiterin gewechselt haben, berichten von einem erstaunlich positiven Gesprächsklima, das sich über Jahre hält.

Auch mit Fragen zur Steuerklärung sollte man sich ruhig dorthin wenden. Nicht nur, weil die Finanzämter zur Auskunft verpflichtet sind. Sondern vor allem, weil es immer besser ist, wenn ein Finanzbeamter bei seiner Ermessensentscheidung einen konkreten Menschen vor Augen hat – und nicht nur eine Steuernummer.

 

 

[ Letzte Änderung: 31. August 2006]
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