Steuern
 

 
 

8.1.  Gewinnermittlung

Für die Körperschafts-, Gewerbe- und Einkommensteuer der Selbstständigen ist der Gewinn maßgeblich. Die Gewinnermittlung ist deshalb der Kern der jährlich abzugebenden Steuererklärungen.

 
8.1.0.1.  Bilanz und Bestandsvergleich

Das übliche kaufmännische Verfahren zur Gewinnermittlung ist die Bilanz, bei der der Wert des gesamten Betriebes einschließlich der elektronischen Geräte, Einrichtungsgegenstände und offenen Forderungen zu einem bestimmten Stichtag mit dem Vorjahreswert verglichen wird. Die Bilanz basiert auf einer doppelten Buchführung und soll daher wie diese hier nicht im einzelnen erläutert werden.

Gewerbetreibende sind zur doppelten Buchführung und Bilanzierung verpflichtet, sobald ihr Umsatz 500.000 € im Jahr (gültig ab 1.1.2007 – vorher waren es 350.000 €) oder ihr Gewinn 30.000 € (Anhebung auf 50.000 € ab 2008 geplant) überschreitet. Allerdings braucht niemand von sich aus damit anzufangen: Wer eine der genannten Grenzen überschreitet, bekommt irgendwann eine Mitteilung vom Finanzamt, dass er künftig eine Bilanz vorzulegen hat. Diese Pflicht gilt dann vom nächsten Kalenderjahr an. Bis dahin kann man ruhig abwarten.

Wer eine solche Mitteilung erhält und noch keine Steuerberaterin hat, sollte sich spätestens jetzt in Ruhe nach professioneller Hilfe umschauen. Und zwar vom Beginn der Bilanzierungspflicht an. Denn vor allem der Übergang von der einfachen Einnahmenüberschussrechnung zur Bilanzierung, zu dem auch die Aufstellung einer Eröffnungsbilanz gehört, ist kompliziert. Fehler können hier gravierende finanzielle Folgen haben.

 
8.1.0.2.  Einnahmenüberschussrechnung

Alle Freiberufler und Kleingewerbetreibende dürfen ihren Gewinn mit einer vereinfachten Einnahmenüberschussrechnung ermitteln. Das ist im Prinzip eine bloße Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben – die Differenz ist der Gewinn.

Eine solche Aufstellung kann jeder für seinen Betrieb selber machen. Seit 2005 muss hierfür das Formular "Einnahmenüberschussrechnung – EÜR" benutzt werden, in das lediglich die Einnahmen und Ausgaben – nach bestimmten Arten gegliedert, aber immer zu Jahressummen zusammengefasst – eingetragen werden müssen. Eine detaillierte Auflistung jeder einzelnen Einnahme und Ausgabe will das Finanzamt hier also gar nicht sehen. Eine detaillierte Anleitung zu diesem Formular findet man im mediafon-Ratgeber. Für das Steuerjahr 2005 hat die Oberfinanzdirektion Münster in einem bundesweit gültiger Erlass die Finanzämter angewiesen, Steuererklärungen ohne EÜR-Formular nicht zu beanstanden, sofern sie ansonsten in Ordnung sind.

Alle Einnahmen und Ausgaben werden an dem Tag verbucht, an dem das Geld auf dem Konto einging bzw. abgebucht wurde. Die Umsatzsteuer für das 4. Quartal 2004, die erst im Januar 2005 an das Finanzamt abgeführt wird, ist also eine Ausgabe des Jahres 2005.

Falls ihr irgendwann mal in einem Fragebogen gefragt werdet, ob ihr die "Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG" anwendet: Damit ist diese Einnahmenüberschussrechnung gemeint. Die Bilanz, wie Gewerbetreibende sie vorlegen müssen, heißt im Steuerchinesisch "Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG".

 

 

[ Letzte Änderung: 24. Juni 2007]
Zum Inhaltsverzeichnis
Zum Seitenanfang
Zur Suche
Eine Seite zurück:
8.0.3. Steuererklärung selber machen?
Weiter im Text:
8.1.1. Betriebseinnahmen
8.1.2. Betriebsausgaben
8.1.3. Negativer Gewinn?
8.1.4. Gemeinsame Gewinnermittlung einer Personengesellschaft
8.2. Einkommensteuer
9. Versicherungen