SteuernGewinnermittlung
 

 
 

8.1.1.  Betriebseinnahmen

Betriebseinnahmen sind sämtliche Einnahmen im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit, also Vergütungen und Honorare, Spesenzahlungen, Tantiemen von Verwertungsgesellschaften, Verdienstausfallentschädigungen für ehrenamtliche Tätigkeit und Erlöse aus dem Verkauf von Arbeitsgerät oder des Dienstwagens. Auch Vergütungen von ausländischen Kunden sind in Deutschland steuerpflichtig; die vereinnahmte Mehrwertsteuer muss ebenfalls als Betriebseinnahme verbucht werden.

Keine Betriebseinnahmen und somit steuerfrei sind Aufwandsentschädigungen für bestimmte nebenberufliche Tätigkeiten bis zur Höhe von 1.848 € im Jahr.

Werden die Kosten für einen Pkw oder ein Telefon, die auch privat genutzt werden, voll als Betriebsausgaben abgesetzt, so ist der private Nutzungsanteil ebenfalls als Betriebseinnahme zu verbuchen.

GmbH-Einlagen oder Einlagen von stillen Gesellschaftern sind keine Betriebseinnahmen. Auch Existenzgründungsdarlehen und die entsprechenden Tilgungsraten tauchen in der Einnahmenüberschussrechnung nicht auf; lediglich die Zinszahlungen wirken sich als Betriebsausgabe gewinnmindernd aus. Das Überbrückungsgeld und der Existenzgründungszuschuss der Arbeitsagentur sind ebenfalls steuerfrei – also keine Betriebseinnahmen.

Investitionszuschüsse können wahlweise als Betriebseinnahme oder als durchlaufender Posten verbucht werden, für den dann aber entsprechend der Ausgabebetrag gekürzt werden muss: Wer für seine 100.000 € teuren Server zehn Prozent Zuschuss erhält, kann entweder die 10.000 € Zuschuss als Betriebseinnahme und die vollen 100.000 € für die Abschreibung (AfA) ansetzen, oder er setzt – ohne Betriebseinnahme – für die AfA lediglich 90.000 € an.

 
8.1.1.1.Einnahmen für mehrjährige Tätigkeit

Je größer die Projekte sind, die Selbstständige bearbeiten, umso mehr können die Einnahmen von Jahr zu schwanken. Da solche Schwankungen aber bei einer Gewinnermittlung per Einnahmenüberschussrechnung zu einer ungerechten Steuerbelastung führen können, erlaubt § 34 ESTG in diesem Fall eine günstigere Berechnung für "Vergütungen für mehrjährige Tätigkeit".

Wer über längere Zeit ausschließlich an ein- und demselben Projekt – sei es eine umfangreiche Software oder eine kontinuierliche Systembetreuung – arbeitet, die Vergütung dafür aber auf einen Schlag ausgezahlt bekommt, so dass sich in aufeinander folgenden Jahren sehr unterschiedliche Einkünfte ergeben, braucht das in der Steuererklärung nur mitzuteilen. Das Finanzamt wendet bei der Steuerberechnung dann die günstigere Formel an.

Die ist ein bisschen kompliziert. Wer Komplikationen liebt – sie funktioniert so: Das Finanzamt berechnet erst die Steuer, die in dem betreffenden Jahr ohne die "außerordentlichen Einkünfte" fällig wäre. Als nächstes berechnet es die Steuer, die fällig wäre, wenn im betreffenden Jahr nur ein Fünftel des außerordentlichen Betrages gezahlt worden wäre. Die Differenz zwischen beiden Steuerbeträgen wird dann verfünffacht und zum ersten Steuerbetrag addiert. Die Summe ist zu zahlen.

Das macht schon einen Unterschied. Für den theoretischen Fall, dass eine Programmiererin im Jahr 2003 für eine mehrjährige Tätigkeit nur ein einziges Riesenhonorar bekommen hat, das ein zu versteuerndes Einkommen von 100.000 € ergab, wären bei normaler Berechnung rund 38.600 € Steuern fällig gewesen. Nach der hier genannten Methode wären es nur 16.200 € gewesen!

Um diese günstige Methode anwenden zu dürfen, müssen allerdings drei Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Arbeit an dem Projekt muss sich über zwei Steuerjahre ("Veranlagungszeiträume") erstrecken, kann dabei aber weniger als zwölf Monate dauern;
  • es muss sich um eine tatsächliche "Zusammenballung" von Einkünften handeln;
  • es muss sich um ein Projekt handeln, an dem der E-Lancer entweder im betreffenden Zeitraum ausschließlich gearbeitet hat oder das eine Sondertätigkeit darstellt, die nicht zum regelmäßigen Gewinnbetrieb gehört.

 

 

[ Letzte Änderung: 28. Dezember 2006]
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