SteuernGewinnermittlung
 

 
 

8.1.3. Negativer Gewinn?

Besonders in den ersten Berufsjahren kann es Selbstständigen, die hohe Investitionen tätigen, durchaus passieren, dass sich am Jahresende für die Steuer ein negativer Gewinn ergibt. Das ist normal und von den Finanzämter nicht zu beanstanden.

Treten solche negativen Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit oder aus Gewerbebetrieb neben positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten auf (z.B. Mieteinnahmen, Kapitalvermögen, nichtselbstständige Tätigkeit, bei Zusammenveranlagung auch Einnahmen der anderen Ehehälfte), so werden sie von diesen abgezogen und mindern damit die Steuerschuld. Bleibt beim Zusammenrechnen all dieser Einkünfte auch der Gesamtbetrag negativ, so kann das sogar zu einer Steuerrückerstattung führen. In diesem Fall darf der Verlust nämlich als Verlustrücktrag von den Einkünften des Vorjahres abgezogen werden.

Wer im Jahr vor der Geschäftsgründung noch als Angestellter gearbeitet hat, kann den Verlust auch von seinem Gehalt im Vorjahr abziehen! Sofern für das Vorjahr ein Steuerbescheid schon vorliegt, hat das Finanzamt einen neuen zu erstellen.

Kann der Verlust durch diesen Rücktrag nicht ausgeglichen werden, so darf der verbliebene Minusbetrag als Verlustvortrag von den Einkünften des nächsten Jahres abgezogen werden.

Soweit jedenfalls das Prinzip, das auch funktioniert, solange es sich um Verluste in erträglicher Größenordnung handelt oder der Verlierer nur Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit bzw. aus Gewerbebetrieb hat. Wo hohe Einkünfte aus einer Einkunftsart ähnlich hohen Verlusten (über 51.130 €) aus einer anderen Einkunftsart gegenüberstehen, sollte man einen Steuerberater konsultieren: Hier sind vor ein paar Jahren einige komplizierte Sonderregelungen eingeführt worden, die Abschreibungskünstlern das Leben schwerer machen sollen.

Bei einer normalen Einkommenssituation ist ein Verlustvor- oder -rücktrag allerdings nur für Jahre sinnvoll, in denen man z.B. wegen Arbeitslosigkeit tatsächlich keinerlei Einnahmen, wohl aber Ausgaben (z.B. für Startinvestitionen) hatte. In einfach nur mageren Jahren empfiehlt es sich dagegen, lieber die eine oder andere größere Ausgabe auf das nächste Jahr zu verschieben oder Auftraggeber um einen Vorschuss zu bitten, um so wenigstens den Grundfreibetrag auszuschöpfen. Alleinstehende haben für das Jahr 2004 nämlich 7.664 € steuerfrei, Ehepaare das Doppelte. Wer darunter bleibt, zahlt zu viel Steuern, wie das folgende Beispiel zeigt:

Ein Alleinstehender, der zwei Jahre hintereinander jeweils 7.664 € verdient, zahlt gar keine Steuer. Verdient er dagegen in einem Jahr 22.992 € und macht im nächsten 7.664 € Verlust, so hat er unter dem Strich brutto keinen Pfennig mehr. Trotzdem muss er nach dem aktuellen Steuertarif für 2005 rund 1.625 € Steuern zahlen, da er für das erste Jahr die Einkünfte per Verlustrücktrag nur auf 15.328 € senken kann und den Freibetrag für das zweite Jahr verschenkt. (Das ist eine allgemeine Regel: Je gleichmäßiger die Einkünfte auf die Jahre verteilt werden, umso geringer fällt die Gesamtsteuerschuld aus.)

Zum anderen funktioniert dieses Verfahren natürlich nur, solange das Finanzamt die verlustbringende selbstständige Tätigkeit nicht zur Liebhaberei erklärt.

 

 

[ Letzte Änderung: 28. Dezember 2006]
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