SteuernEinkommensteuer
 

 
 

8.2.1.  Einkünfte

Das Steuerrecht kennt sieben Arten von Einkünften:

  • aus Land- und Forstwirtschaft,
  • aus Gewerbebetrieb,
  • aus selbstständiger (d.h. freiberuflicher) Arbeit,
  • aus nichtselbstständiger Arbeit,
  • aus Kapitalvermögen,
  • aus Vermietung und Verpachtung,
  • sonstige Einkünfte (z.B. Renten, Spekulationsgewinne).

Dabei verstehen die Finanzämter unter "Einkünften" den Teil der Einnahmen, der nach Abzug der erforderlichen Ausgaben von der Summe der Einnahmen übrig bleibt. Bei selbstständiger Arbeit und Gewerbebetrieb sind das alle Einnahmen (Umsatz) abzüglich der Betriebsausgaben; bei nichtselbstständiger Arbeit alle Lohn-, Gehalts- und Sonderzahlungen abzüglich der Werbungskosten.

 
8.2.1.1.  Einkünfte aus gewerblicher / selbstständiger Arbeit

Einkünfte aus gewerblicher und selbstständiger Arbeit werden in die "Anlage GSE" zur Einkommensteuererklärung eingetragen. Anzugeben ist hier der Betriebsgewinn, der nach den unter Gewinnermittlung beschriebenen Regeln festgestellt wurde.

 
8.2.1.2.  Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit

Wer in einem Arbeitsverhältnis beschäftigt ist, gibt dort zu Anfang des Jahres seine Lohnsteuerkarte ab. Der Arbeitgeber behält monatlich die fällige Steuer ein, die in diesem Fall Lohnsteuer heißt, aber nichts anderes als Einkommensteuer ist, und führt sie an das Finanzamt ab. Eventuell zu viel abgezogene Steuern kann man sich im nächsten Jahr mit einer – auch freiwilligen – Einkommensteuererklärung (früher: Lohnsteuerjahresausgleich) zurückholen.

Wer aus irgendeinem Grund keine Lohnsteuerkarte vorlegt, bekommt die Lohnsteuer nach (der höchsten) Steuerklasse VI abgezogen; bei kurzfristigen Beschäftigungen ist auch ein pauschaler Lohnsteuerabzug von 25% ohne Lohnsteuerkarte möglich, aber nicht sinnvoll: Obwohl die Pauschale viel zu hoch ist, kriegt man das Geld auch per Einkommensteuererklärung nicht zurück! Bei geringfügigen Beschäftigungen hingegen lohnt die Lohnsteuerpauschale von nur 2% kaum den Aufwand einer Einkommensteuererklärung.

Wer – z.B. als Selbstständiger oder als Arbeitnehmerin in mehreren Beschäftigungsverhältnissen – zur Einkommensteuer veranlagt wird, muss eine Einkommensteuererklärung abgeben, und zwar schon bis zum 31. Mai des folgenden Jahres, für das Steuerjahr 2004 also bis zum 31.5.2005. Wer nur Arbeitslohn aus einem einzigen Beschäftigungsverhältnis bezogen hat, kann eine Einkommensteuererklärung abgeben, und zwar bis zum 31. Dezember des übernächsten Jahres (für das Steuerjahr 2004 also bis zum 31.12.2006). Es empfiehlt sich aber, das Formular schon zum früheren Termin abzugeben: Zum einen vermeidet man so unnötigen Ärger, falls das Finanzamt zu dem Schluss kommt, dass doch eine Veranlagung zur Einkommensteuer durchzuführen war; zum anderen liegt das zu viel gezahlte Geld sonst unnötig lange zinslos beim Finanzamt herum.

Mit dem Formular "Einkommensteuererklärung" sind mindestens einzureichen

  • die Lohnsteuerkarte(n) bzw. Bescheinigungen für ohne Lohnsteuerkarte einbehaltene Lohnsteuer und
  • das Formular "Anlage N".
 
Bruttoarbeitslohn:

In die "Anlage N" wird der Bruttoarbeitslohn entsprechend den Angaben auf der Lohnsteuerkarte eingetragen. Dazu zählen alle Zahlungen aus dem Arbeitsverhältnis einschließlich aller Sondervergütungen und Spesenerstattungen. Einige Zahlungen aus Sozialkassen wie das Arbeitslosengeld sind steuerfrei, führen aber trotzdem zu einer höheren Steuer – siehe Progressionsvorbehalt.

 
Werbungskosten:

Vom Bruttoarbeitslohn werden die Werbungskosten abgezogen. Dazu zählen alle Kosten, die im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit entstehen. Im Prinzip gilt hier der gleiche Katalog wie für die Betriebsausgaben bei selbstständiger Tätigkeit.

Entscheidend dafür, ob Ausgaben Werbungskosten sind, ist nicht, ob sie für die Berufsausübung erforderlich waren, sondern ob sie wirklich getätigt wurden (und zwar nicht für private Zwecke). Die Kosten für ein Bücherregal im Arbeitszimmer sind also immer Werbungskosten, wenn das Regal vorhanden ist und nicht privat genutzt wird. Ob im "papierlosen Büro" so ein Regal überhaupt nötig ist, geht das Finanzamt nichts an.

Einzige Ausnahme: das häusliche Arbeitszimmer. Hier gelten immer noch die vorn genannten Regeln, aus denen sich ergibt: Angestellte dürfen die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmers nur dann und nur bis zur Höhe von 1.250 € im Jahr absetzen, wenn sie mindestens die Hälfte ihrer Arbeitszeit dort verbringen oder wenn ihnen für bestimmte Tätigkeiten ein anderer Arbeitsplatz nicht zur Verfügung steht. Als Beispiel hierfür nennt das Finanzministerium den Lehrer, der in der Schule keinen Schreibtisch zur Unterrichtsvorbereitung hat (Klassen- und Lehrerzimmer reichen nicht aus) oder den Orchestermusiker, der im Konzertsaal nicht üben kann.

Für die Werbungskosten zieht das Finanzamt von sich aus eine Arbeitnehmerpauschale von 920 € (für 2003 noch 1.044 €) pro Jahr ab, ohne dass dafür irgendwelche Angaben gemacht zu werden brauchen. Nur wer höhere Werbungskosten geltend machen will, muss sie auf einem extra Blatt einzeln aufführen (und alle entsprechenden Belege beifügen).

 
8.2.1.3.  Einkünfte aus selbstständiger und nichtselbstständiger Arbeit

Wer Einkünfte aus einem Arbeitsverhältnis und aus selbstständiger Arbeit bezogen hat, muss sowohl die "Anlage N" (plus Lohnsteuerkarte(n)) als auch die "Anlage GSE" abgeben. Die Berechnung der maßgeblichen Einkünfte erfolgt dann jeweils wie in den obigen Abschnitten beschrieben: Von den Betriebseinnahmen werden die Betriebsausgaben abgezogen, vom Bruttoarbeitslohn die Werbungskosten, die Reste werden addiert.

Dabei muss nun jeder Ausgabenbeleg entweder der selbstständigen Tätigkeit (als Betriebsausgabe) oder der nichtselbstständigen (als Werbungskosten) zugeordnet werden. Da das im einzelnen kaum nachprüfbar ist, kann jeder selbst eine optimale Zuordnung vornehmen. Hilfreich sind dabei drei weitere Regelungen des Einkommensteuergesetzes:

  • Arbeitnehmer brauchen Nebeneinkünfte aus selbstständiger Arbeit nur zu versteuern, wenn sie – nach Abzug der Betriebsausgaben – 410 € im Jahr übersteigen. Wer also nur geringe Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit hat und ihnen so viele Kosten zuordnen kann, dass netto maximal 410 € übrig bleiben, braucht sie gar nicht zu versteuern.
  • Wer nebenberuflich als Volkshochschuldozent oder als Kursleiterin in anderen gemeinnützigen Einrichtungen tätig ist, braucht die daraus erzielten Einnahmen bis zur Höhe von 1.848 € im Jahr nicht zu versteuern. Maßgeblich ist hier der Umsatz – Betriebsausgaben dürfen nur abgezogen werden, soweit sie den Betrag von 1.848 €überschreiten.
  • Wer nebenberuflich künstlerisch, schriftstellerisch oder wissenschaftlich (also nicht journalistisch!) tätig ist und damit mehr als 410 € verdient, kann pauschal 25 Prozent der entsprechenden Einnahmen, maximal 614 € im Jahr, als Betriebsausgaben geltend machen. Nachgewiesene Kosten können – sofern sie der nichtselbstständigen Tätigkeit zuzuordnen sind – in diesem Fall zusätzlich als Werbungskosten abgesetzt werden.

Als hauptberufliche Tätigkeit zählt dabei jeweils die, aus der mehr als die Hälfte der Einkünfte fließen – wobei nicht alle Finanzämter die 50-Prozent-Grenze stur anwenden.

Je nachdem, wie hier die vorhandenen Ausgabenbelege zugeordnet werden, lassen sich durchaus unterschiedliche Steuerbelastungen erreichen. Die Zuordnung muss allerdings glaubhaft sein – sonst braucht das Finanzamt sie nicht anzuerkennen.

 
8.2.1.4.  Einkünfte aus Kapitalvermögen

Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören neben Dividenden und Sparbuchzinsen auch Gewinnanteile, die eine GmbH oder AG an ihre Gesellschafter ausschüttet. Letztere unterliegen seit 2003 dem "Halbeinkünfteverfahren", d.h. sie sind nur zur Hälfte einkommensteuerpflichtig.

 

 

[ Letzte Änderung: 1. Januar 2005]
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