Versicherungen
 

 
 

9.4.  Rentenversicherung und private Altersvorsorge

Selbstständigen stehen bei der Altersvorsorge alle Türen offen. Sie können nicht nur jede beliebige Form der privaten Altersvorsorge wählen, sondern sich in der Regel auch frei entscheiden, ob sie in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen wollen oder nicht.

Bezüglich der gesetzlichen Rentenversicherung sind für Selbstständige in der IT-Branche acht Möglichkeiten zu unterscheiden:

  • Als Normalfall sieht der Gesetzgeber für Selbstständige die private Altersvorsorge vor.
  • Darüber hinaus können Selbstständige sich jederzeit freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichern.
  • In den ersten fünf Jahren der selbstständigen Tätigkeit ist außerdem eine "Pflichtversicherung auf Antrag" möglich, die in einigen Punkten günstigere Bedingungen als die freiwillige Versicherung bietet.
  • Alleinunternehmer, die "überwiegend nur für einen Auftraggeber" arbeiten und keine eigenen Angestellten haben, sind (auf eigene Kosten) pflichtversichert in der Rentenversicherung.
  • Dasselbe gilt für selbstständige Lehrkräfte, Trainerinnen und Dozenten, die keine Angestellten beschäftigen,
  • sowie für Selbstständige, die den Existenzgründungszuschuss von der Arbeitsagentur beziehen.
  • Wer als Selbstständiger künstlerisch oder publizistisch tätig ist, ist über die Künstlersozialkasse pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Wer in einem Verfahren wegen Scheinselbstständigkeit von der Deutschen Rentenversicherung als Arbeitnehmer eingestuft wurde, muss über den Auftraggeber gesetzlich versichert werden.

In den beiden letzten Fällen zahlt die Künstlersozialkasse bzw. der Auftraggeber die Hälfte der Beiträge.

 
9.4.0.1.  Gesetzlich oder privat?

Die gesetzliche Rentenversicherung ist in Verruf gekommen. Das Argument, es gäbe keine schlechtere Geldanlage als die Rentenversicherung, führt trotzdem in die Irre: Die Rentenversicherung ist überhaupt keine Geldanlage – und wollte es nie sein.

Das Geld, das ich heute in die Rentenversicherung einzahle, sichert nämlich gar nicht meine Rente, sondern den Lebensabend derer, die heute alt sind. Wer sich diesem System entzieht, sagt nicht weniger als: Ohne mich. Sollen doch die anderen für die alten Leute von heute sorgen.

Wem das zu pathetisch ist, der sollte zumindest bedenken, dass die gesetzliche Rentenversicherung im Gegensatz zu jedem Aktienfonds und jeder Lebensversicherung

  • inflationssicher ist: Nach den beiden großen Inflationen des letzten Jahrhunderts hat die Rentenversicherung weiter gezahlt. Die privaten Geldanlagen waren nichts mehr wert.
  • risikolos ist: Der Zusammenbruch des Neuen Marktes im Jahr 2000/2001 hat bewiesen, wie schnell auch heute profitabel angelegte Gelder entwertet werden können.
  • eine Versicherung ist: Rente gibt es auch schon, wenn jemand vorzeitig berufs- oder erwerbsunfähig wird. Eine Lebensversicherung zahlt in diesem Fall nur einen Bruchteil der vereinbarten Leistung.
  • mehr als die Rente sichert: Welcher Aktienfonds zahlt denn für Kuren, Rehabilitationsmaßnahmen, Haushaltshilfen oder wenn ein Selbstständiger ausgebrannt ist?
  • für viele Frauen die einzig mögliche Alterssicherung ist: Wer Kinder großzieht, kann keine Beiträge bezahlen. Und bekommt trotzdem Rente.

Das soll kein Plädoyer gegen individuelle und private Vorsorge sein. Aber überlegenswert ist es eben schon, ob man sich neben all den Geldanlagen (zahlt man da wirklich regelmäßig ein?) eine gesetzlichen Rentenversicherung nicht zumindest als Grundsicherung für den Fall der Fälle aufbaut.

Zumal sich mit der demographischen Entwicklung auch die "Rentabilität" der Rentenversicherung ab 2030 wieder bessern wird: Vor dreißig Jahren haben Selbstständige noch dafür gekämpft, in die gesetzliche Rentenversicherung aufgenommen zu werden. Weil es damals keine vernünftigere Geldanlage gab...

 

 

[ Letzte Änderung: 3. Mai 2006]
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