VersicherungenRentenversicherung
 

 
 

9.4.2.  Private Altersvorsorge

Die private Altersvorsorge ist ein Thema für sich und zudem Geschmackssache. Wer nach soliden privaten Renten- oder Kapitallebensversicherungen sucht, sollte sich auch bei den einschlägigen Berufsverbänden umhören. Die können nicht selten Spezialversicherungen empfehlen, die durch den Verzicht auf einen Außendienst besonders preisgünstig sind.

Hierzu gehört zum Beispiel das Versorgungswerk der Presse, das von den Verlegerverbänden und Journalistengewerkschaften getragen wird und mit den Versicherungskonzernen Allianz, Colonia und Gerling verbunden ist. Es bietet günstige Lebens-, Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen für alle Angestellten und Selbstständigen in "Kommunikationsberufen" – und wer ist das in der IT-Branche nicht?

Auch der Verein Deutscher Ingenieure bietet über einen eigenen Versicherungsdienst speziell zugeschnittene Versicherungen an.

Wer vergleichen möchte, kann sich an den Beispielen orientieren, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft als Standardpreise für solche Versicherungen nennt. Im Jahre 2006 brachte danach

  • eine Kapitallebensversicherung mit einem Monatsbeitrag von 100 €, abgeschlossen mit 30 Jahren, zum 65. Lebensjahr für einen Mann durchschnittlich 94.500, für eine Frau 98.000 € (inklusive Überschussbeteiligung);
  • eine private Rentenversicherung mit denselben Grunddaten brachte inklusive Überschussbeteiligung für einen Mann eine Rente von durchschnittlich 480, für eine Frau von 470 €300 € monatlich, zahlbar ab den 65. Lebensjahr und auch im Todesfall für mindestens zehn Jahre.

Alle weiteren Aussagen zur privaten Altersvorsorge überlasse ich lieber den einschlägigen Experten. Für weitere Hinweise auf berufsspezifische Versicherungen – zur Veröffentlichung an dieser Stelle – bin ich jedoch dankbar.

 
9.4.2.1.  "Riesterrente": Zuschüsse zur privaten Altersvorsorge

Zum 1.1.2002 ist das Gesetz zur Rentenreform in Kraft getreten, das die sogenannte "Riester-Rente" eingeführt hat. Danach erhält, wer neben der gesetzlichen Rentenversicherung eine private Altersvorsorge abschließt, dazu künftig staatliche Hilfen in Form einer Zulage und – bei höheren Einkommen – einer zusätzlichen Steuerersparnis.

Gefördert werden Anlageformen wie Lebensversicherungen, Pensionskassen, Pensionsfonds, Fonds- und Banksparpläne. Bedingung ist vor allem, dass

  • das eingezahlte Geld bis zum Beginn der Altersrente festliegt, mindestens bis zum Ende des 60. Lebensjahres, und
  • Anspruch auf eine Rente entsteht, die lebenslang in gleich bleibenden oder steigenden Beiträgen ausgezahlt wird. Lebensversicherungen, die auf einen Schlag ausbezahlt werden, sind also von der Förderung ausgeschlossen.

Gefördert werden nur Anlagen, die in einem speziellen Verfahren als "riesterfähig" zertifiziert werden. Eine Übersicht über die verschiedenen Anlageformen mit Entscheidungshilfen, welche Form für wen am besten ist, sowie ausführliche Tests und Bewertungen der verschiedensten Angebote zur Riester-Rente findet man im Finanztest Spezialheft "Riester-Rente", dessen wichtigste Inhalt bei Finanztest herunterzuladen sind.

Die "Förderrente" der Debeka, die bei diesen Tests vorn unter den guten Angeboten landete, können Mitglieder der DGB-Gewerkschaften unter der Bezeichnung "Das RentenPlus" zu nochmals verbesserten Konditionen und günstigeren Kosten als beim Standardprodukt abschließen. Ähnlich verbesserte Bedingungen für ver.di-Mitglieder gibt es für das Investmentfondsprodukt "DWS-TopRente". Alle weitere Einzelheiten zu diesen Angeboten finden sich auf www.das-rentenplus.de.

Wer bekommt wieviel?

Neben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern werden haben auch alle pflichtversicherten Selbstständigen Anspruch auf Förderung ihrer "Riesterrente". Dazu gehören

Als Förderung gibt es

  • eine einkommensunabhängige Zulage von jährlich 154 Euro pro Erwachsenen (Ehepaare das Doppelte, sofern für beide eine eigenständige Altersversorgung aufgebaut wird) sowie eine Kinderzulage von 185 Euro pro Kind
  • und dazu gegebenenfalls noch eine Steuerersparnis.

Die volle Zulage erhält nur, wer mindestens vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens anspart. Die Zulage zählt dabei mit.

Da die Förderung der privaten Altersvorsorge mit einem Stufenplan eingeführt wird, werden die oben genannten Zahlen in vollem Umfang jedoch erst im Jahre 2008 erreicht. Bis dahin gibt es von diesen Beträgen in den Jahren 2006 und 2007 je 75 Prozent als Zulage.

Gewaltig ist diese Zulage nicht – aber ein paar Euro macht sie schon aus: Eine unverheiratete freie EDV-Trainerin mit einem Kind, die im Jahr 2007 ein rentenversicherungspflichtiges Einkommen von 25.000 Euro hatte, hat im Jahre 2008 Anspruch auf 339 Euro Zulage. Dazu muss sie aus eigener Tasche mindestens 661 € einzahlen, um (einschließlich Zulage) die 1.000 € Mindestleistung zu erreichen. Eine zusätzliche Steuerminderung bekommt sie nicht.

Hatte dieselbe Frau dagegen ein Jahreseinkommen von 40.000 €, so muss sie mindestens 1.600 € einzahlen, um die volle Zulage von 339 € zu bekommen. Da ihre Steuerersparnis beim Sonderausgabenabzug in diesem Fall rund 500 Euro – also mehr als die Zulage – wäre, wird ihre Steuerschuld zusätzlich um die Differenz von 161 Euro gesenkt. Damit steht hier einer Eigenleistung von mindestens 1.100 € eine Höchstförderung von 500 € gegenüber.

Zuständig für das ganze Theater ist die Deutsche Rentenversicherung (DRV, früher BfA). Dort wird die Förderung beantragt – normalerweise aber vom Versicherungsträger oder dem Geldinstitut, das die erforderlichen Unterlagen vorbereitet, dem E-Lancer zur Unterschrift vorlegt und an die DRV weiterleitet. Die DRV zahlt dann für alle die Zulage direkt an den Versicherungsträger. Anschließend prüft das Finanzamt von Amts wegen, ob die Steuerersparnis nach dem Sonderausgabenabzug höher wäre als die Zulage. Ist das der Fall, so zieht es die Differenz zwischen Steuerersparnis und Zulage von der Einkommensteuerschuld ab. Die später ausgezahlten Rentenbeträge müssen voll versteuert werden.

Die Förderung gibt es jeweils in voller Höhe von dem Jahr an, in dem die Versicherung abgeschlossen wurde; eine rückwirkende Förderung ist nicht möglich.

 

 

[ Letzte Änderung: 28. Dezember 2006]
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