Versicherungen
 

 
 

9.6.  Sonderfall: Scheinselbstständige

Da es in Deutschland bis heute kein Arbeitsgesetzbuch mit einheitlichen Definitionen von Arbeitnehmern und Selbstständigen für alle Bereiche des Arbeitslebens gibt, existiert unter der Bezeichnung "Scheinselbstständige" eine seltsame Kategorie von Zwitterwesen, die zwar im arbeits- und steuerrechtlichen Sinn Selbstständige sind, von der gesetzlichen Sozialversicherung aber als abhängig Beschäftigte behandelt werden.

Wird eine E-Lancerin von der Deutschen Rentenversicherung (DRV, früher BfA)in einem Verfahren wegen Scheinselbstständigkeit als abhängig beschäftigt eingestuft, so gilt sie für die Sozialversicherung von da an als Arbeitnehmerin und ihr Auftraggeber als Arbeitgeber. Das bedeutet: Der Auftraggeber muss sie in allen Sparten der Sozialversicherung anmelden, also der gesetzlichen

  • Krankenversicherung,
  • Pflegeversicherung,
  • Rentenversicherung,
  • Arbeitslosenversicherung und bei der zuständigen
  • Berufsgenossenschaft,

Von den Beiträgen zu den ersten vier Sparten muss der Auftraggeber die Hälfte von Honorar einbehalten, die andere Hälfte als "Arbeitgeberanteil" drauflegen und das Ganze an die Krankenkasse abführen, in der die E-Lancerin Mitglied ist. Den Beitrag zur Berufsgenossenschaft muss der Auftraggeber sogar in voller Höhe bezahlen.

Ob der Auftraggeber die E-Lancerin nach dem DRV-Bescheid als ganz normale Arbeitnehmerin einstellt oder – was häufiger vorkommt – arbeits- und steuerrechtlich weiter als Selbstständige behandelt (das merkt sie daran, dass sie ihre Steuern weiterhin selbst an das Finanzamt abführen muss), macht für die Sozialversicherung keinen Unterschied: Das Geld, das ihr der Arbeitgeber zahlt, gilt als versicherungspflichtiges Einkommen. Ein vorheriger Abzug von Betriebsausgaben wie bei (sozialversicherungsrechtlich) Selbstständigen ist nicht möglich.

Auch die Mindest- und Höchstgrenzen für die Pflichtversicherung und die Beitragsbemessung sind dieselben wie bei normalen Angestellten; wer weniger als 400 € im Monat bekommt, wird nach den Minijob-Regeln geringfügig beschäftigt.

 

 

[ Letzte Änderung: 1. Oktober 2005]
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