VersicherungenUnfallversicherungen
 

 
 

9.8.1.  Berufsunfallversicherung

Die Berufsunfallversicherung ist der fünfte, häufig vergessene Zweig der gesetzlichen Sozialversicherung: Die Berufsgenossenschaften versichern Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen gegen Berufs- und Wegeunfälle und gegen die Folgen von Berufskrankheiten. Auch Selbstständige können hier – in der Regel freiwillig – Mitglied werden.

Zwar werden Behandlungskosten nach einem Unfall, wo es eine Unfallversicherung nicht gibt, auch von der Krankenversicherung abgedeckt. Ein großer Unterschied zeigt sich allerdings bei Rehabilitationsmaßnahmen nach schweren Unfällen, mit denen die Krankenkassen erfahrungsgemäß sehr knauserig umgehen, während die Berufsgenossenschaften in der Regel alle Maßnahmen zahlen, die medizinisch sinnvoll sind. Zudem zahlen die Unfallversicherungen Invaliditäts- und Hinterbliebenenrenten.

 
9.8.1.1.  Gesetzlich oder privat?

Für Angestellte ist das gar keine Frage: Sie sind – meist ohne etwas davon zu merken – pflichtversichert in der zuständigen Berufsgenossenschaft. Jeder Arbeitgeber muss alle seine Beschäftigten dort anmelden und die Beiträge in voller Höhe selbst bezahlen.

Trotz aller Vorbehalte gegen gesetzliche Sozialversicherungen halten die Berufsgenossenschaften fast jeden Vergleich mit privaten Unfallversicherungen aus. Sie sind der einzige Zweig der gesetzlichen Sozialversicherung, in dem die Beiträge jahrelang kontinuierlich gesunken sind, und auch für Selbstständige, die für sich selbst eine Berufsunfallversicherung suchen, sind sie in der Regel eine vernünftige und bezahlbare Alternative zu privaten Angeboten.

 
9.8.1.2.  Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft

Die Berufsgenossenschaften sind nach Wirtschaftszweigen organisiert. Mit ganz wenigen Ausnahmen ist für alle Berufe in der IT-Branche die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) zuständig, in der auch Selbstständige freiwillig Mitglied werden können.

Mit ihren Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen werden die Berufsgenossenschaften zum einen vorbeugend gegen Arbeitsunfälle tätig; zum anderen bezahlen sie bei beruflich bedingten Gesundheitsschäden Heil- und Rehabilitationsmaßnahmen, Verletztengeld, Erwerbsunfähigkeits-, Witwen- und Waisenrenten.

 
9.8.1.3.  Beitragsverfahren

Alle Berufsgenossenschaften arbeiten ohne Gewinnstreben im "Umlageverfahren", d.h. sie legen den jährlichen Beitragsschlüssel erst nachträglich entsprechend dem tatsächlichen Schadensverlauf fest. Für die Beiträge können deshalb hier nur Erfahrungswerte genannt werden. Sie errechnen sich aus dem jährlich neu festzulegenden Beitragsschlüssel, aus der Gefahrenklasse und der Versicherungssumme.

Nach der Versicherungssumme, die bei Arbeitnehmern dem Jahresarbeitsverdienst entspricht, richten sich sowohl die Beiträge als auch die Leistungen der Berufsgenossenschaft. Doppelte Versicherungssumme bedeutet also doppelten Beitrag und doppelte Leistungen.

Freiwillige Mitglieder können die Versicherungssumme unabhängig vom tatsächlichen Einkommen frei wählen. Dabei gilt bei der VBG im Jahr 2007 eine Mindest-Versicherungssumme von 29.400 € und eine Höchstgrenze von 84.000 €.

Die Gefahrenklasse steht in der Beitragsformel für das Unfallrisiko im jeweiligen Beruf und wirkt sich ebenfalls proportional auf den Beitrag aus. In der Gefahrenklasse 0,62 ist der Beitrag – bei gleichen Leistungen – also doppelt so hoch wie in der Gefahrenklasse 0,31.

Im "Gefahrtarif" der VBG für das Jahr 2007 sind für Berufe der IT-Branche folgende Gefahrenklassen festgelegt:

  • Software-Entwicklung und -Beratung, Internet-cafés und -Provider, Call-Center, Rechenzentren und andere Unternehmen für Informations- und Kommunikationsdienstleistungen 0,33,
  • Presseagentur, Nachrichtenagentur, Journalisten, Bild-Journalisten, Redaktionsbüros, Rundfunk- und Fernsehunternehmen 0,50,
  • Wissenschaft und Forschung, Markt- und Meinungsforschung 0,54,
  • Unternehmens-, EDV-, Organisationsberatung 0,63,
  • Werbeagenturen,PR-Beratung, Werbetexter, Designer 0,78,
  • Ingenieurbüro 0,91,
  • Makler, Vermittler, Mitwohnzentralen 1,09,
  • Versicherungsvertreter, Finanzmakler 1,53,
  • Bildungseinrichtung, auch Fort- und Weiterbildung, Motivations- und Kommunikationstraining, Computerseminare, Volkshochschulen, Nachhilfe 1,79,
  • "Unternehmen für Kunst und Kultur" sowie Künstler aller Gattungen 2,10.

Bei der Beschreibung des eigenen Berufes ist also durchaus Vorsicht geboten: Der "Designer" zahlt bei der VBG nur ein des Beitrages, der für seinen Kollegen fällig wird, der sich als "Künstler" eingestuft hat! Dennoch sollte hier niemand seinen Beruf falsch beschreiben, nur um in eine niedrige Gefahrenklasse eingestuft zu werden. Das kann, wenn denn tatsächlich mal ein Unfall geschieht, zu erheblichen Problemen führen.

 
9.8.1.4.  Beitrag und Leistungen

Die VBG erhob von freiwilligen Mitgliedern zuletzt einen absoluten Mindestbeitrag von 81 € im Jahr. Auf der Basis des zuletzt abgerechneten Beitragsjahres 2005 konnte man dafür in der für IT-Dienstleistungen üblichen Gefahrenklasse 0,33 (Datenverarbeitung usw.) eine Versicherungssumme von gut 50.000 € versichern. In der Gefahrenklasse 0,91 (Ingenieurbüro) betrug der Mindestbeitrag für die aktuelle Mindestversicherungssumme von 29.400 € im Jahr 115,04 €; hinzu kommt noch eine "Rentenaltlastumlage" von 8,78 €.

Neben Heil- und Rehabilitationsmaßnahmen bietet die VBG dafür im Wesentlichen

  • bei Arbeitsunfähigkeit ein Verletztengeld von täglich 1/450 der Versicherungssumme ab der vierten Krankheitswoche, bei stationärer Behandlung vom ersten Tag an,
  • bei Verlust der Erwerbsfähigkeit eine Verletztenrente von jährlich 2/3 der Versicherungssumme, bei Teilerwerbsfähigkeit eine entsprechende Teilrente,
  • im Todesfall eine Witwenrente von jährlich 3/10 und eine Halbwaisenrente von jährlich 2/10 der Versicherungssumme.

 
9.8.1.5.  Weitere Berufsgenossenschaften

In Einzelfällen können für IT-Berufe auch andere Berufsgenossenschaften zuständig sein. Für Leute, die EDV-Equipment selbst installieren, reparieren und warten, ist die Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik zuständig.

Designer, die vor allem Druckvorlagen erstellen (Grafik-Design, Computersatz, Computerdruck), versichern sich in der Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung. Achtung: In diesem Fall ist die Berufsgenossenschaft auch für Selbstständige eine Pflichtversicherung! Der Mindestbeitrag für sie lag im zuletzt abgerechneten Jahr 2005 bei 71,17 / 60,50 € für eine Versicherungssumme von 18.000 / 15.300 €.

 

 

[ Letzte Änderung: 28. Dezember 2006]br> Zum Inhaltsverzeichnis
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