VersicherungenAbsicherungen gegen Einkommensausfall
 

 
 

9.9.1.  Verdienstausfall bei Krankheit

In den Normaltarifen der gesetzlichen Krankenkassen ist ein Krankengeld in Höhe von 70 Prozent des versicherungspflichtigen Einkommens eingeschlossen, das bei einer langwierigen Krankheit ab der siebten Krankheitswoche bezahlt wird – nämlich dann, wenn für Angestellte die gesetzlich vorgeschriebene Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber endet.

 
9.9.1.1.  Krankengeld

Dieses Krankengeld bekommen grundsätzlich auch freiwillig versicherte Selbstständige. Allerdings haben die gesetzlichen Krankenkassen diesen Fall in ihren Satzungen äußerst unterschiedlich geregelt:

  • Manche Krankenkassen nehmen Selbstständige nur zum ermäßigten Beitragssatz auf. Der liegt je nach Kasse um 0,4 – 2,4 Prozentpunkte unter dem normalen Beitragssatz und beinhaltet gar keinen Krankengeldanspruch. In diesem Fall gibt es also auch ab der siebten Krankheitswoche nichts.
  • Andere Krankenkassen lassen Selbstständigen die Wahl zwischen dem ermäßigten und dem normalen Beitragssatz – d.h. sie können selbst wählen, ob sie ab der siebten Krankheitswoche Krankengeld bekommen wollen oder nicht.
  • Etliche Krankenkassen bieten Selbstständigen zudem an, sich zum erhöhten Beitragssatz zu versichern, der ein vorgezogenes Krankengeld einschließt. Hier sind die Bedingungen allerdings extrem unterschiedlich: Die meisten Kassen zahlen das Krankengeld bei diesem Beitragssatz ab dem 22. Krankheitstag; Barmer und DAK verlangen dafür einen Aufschlag von 1,2 bzw. 1,3 Prozentpunkten auf den normalen Beitragssatz. Manche Kassen zahlen das Krankengeld schon früher – andere verlangen bis 5,6 Prozentpunkte mehr Beitrag.
  • Ende 2006 sah der Gesetzentwurf zur Gesundheitsreform vor, dass das Krankengeld für Selbstständige ganz gestrichen wird – dafür sollen die gesetzlichen Kassen Selbstständigen einen Tarif für ein Krankengeld ab dem 1. (!) Krankheitstag anbieten. Wäre traumhaft, aber vermutlich unbezahlbar. Weitere Details sollen – wenn es überhaupt kommt – die einzelnen Kassen festlegen.

Ein Angebot, wie es Barmer und DAK machen, dürfte vor allem für Ältere meist günstiger sein als eine private Krankentagegeldversicherungen: Für 50 € Krankengeld ab dem 22. Krankheitstag zahlt man hier unabhängig von Alter und Geschlecht rund 26 € im Monat.

Wer davon profitieren möchte, kann seine Krankenkasse jederzeit wechseln. Eine Übersicht über die ermäßigten, normalen und erhöhten Beitragssätze aller allgemein zugänglichen Kassen findet man auf www.krankenkassentarife.de. Ob sie Selbstständige aber überhaupt zum erhöhten Beitragssatz versichern und wenn ja, ab dem wievielten Krankheitstag es Krankengeld gibt, das muss man dann bei den in Frage kommenden Kassen einzeln erfragen.

Wer über die Künstlersozialkasse versichert ist, kann bei jeder Kasse mit demselben Aufschlag ein vorgezogenes Krankengeld bereits ab dem 15. Krankheitstag versichern. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Für den Beitragsaufschlag gibt es allerdings keinen Zuschuss der KSK – den müssen Künstler und Publizistinnen allein bezahlen.

Und Vorsicht: Das Krankengeld bemisst sich grundsätzlich am tatsächlichen Einkommen. Freiwillig Versicherte, die das Mindesteinkommen gar nicht erreichen, an dem sich ihr Krankenkassenbeitrag bemisst, müssen sich im Krankheitsfall also mit einem vergleichsweise niedrigen Krankengeld zufrieden geben.

 
9.9.1.2.  Krankentagegeldversicherung

Wer privat krankenversichert ist, kann für den Verdienstausfall im Krankheitsfall nur eine private Krankentagegeldversicherung abschließen. Ab wann und wieviel sie zahlen soll, lässt sich beliebig vereinbaren; der Beitrag richtet sich nach der Höhe des Tagegeldes, dem ersten Zahlungstag, dem Alter bei Eintritt in die Versicherung und dem Geschlecht.

Vereinbart werden kann eine Zahlung frühestens ab dem 4. Krankheitstag – was aber kaum bezahlbar ist. Die Tarife für ein Tagegeld von 50 € ab dem 8. Krankheitstag bewegen sich je nach Eintrittsalter und Geschlecht im Bereich zwischen rund 50 und 250 € im Monat; ein Tagegeld ab dem 15. Krankheitstag kostet grob die Hälfte. Da die Tarife zudem von Versicherung zu Versicherung gewaltig differieren, bleibt nichts anderes übrig, als sich bei der Verbraucherzentrale eine Vergleichstabelle zu holen und sich dann verbindliche Angebote machen zu lassen.

Und dann sollte man mal ausrechnen, wie viel eine solche Versicherung z.B. in den letzten fünf Jahren gekostet und wie viel sie gezahlt hätte. Ich selbst habe mir nach dieser Rechnung lieber ein bisschen Geld auf die hohe Kante gelegt – und bin damit die letzten 20 Jahre gut gefahren.

Wer eine Krankentagegeldversicherung abschließen will, muss zudem zweierlei wissen:

  • Diese Versicherungen dürfen nur den tatsächlichen Einkommensausfall ersetzen. Wer vor der Krankheit gar kein Einkommen hatte oder eines, das nur halb so hoch war wie das versicherte Tagegeld, bekommt im Zweifelfall nur das durchschnittliche Netto-Einkommen der letzten zwölf Monate ersetzt.
  • Die Versicherungen sind im Fall des Falles gesetzlich verpflichtet nachzuprüfen, ob die Versicherten tatsächlich arbeitsunfähig sind. Und das tun sie auch – mit unangemeldeten Hausbesuchen. Wer da gerade sein Wohnzimmer tapeziert, hat schlechte Karten.

 

 

[ Letzte Änderung: 28. Dezember 2006]
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