VersicherungenAbsicherungen gegen Einkommensausfall
 

 
 

9.9.3.  Schwangerschaft und Kindererziehung

Ausnahmsweise mal ein angenehmes Thema: Der Verdienstausfall bei Geburt eines Kindes wird für Selbstständige, die freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung sind und mindestens den Normalbeitrag zahlen, durch Mutterschaftsgeld gemildert, ohne dass sie dafür extra bezahlen müssen. Anspruch auf Elterngeld haben sie sowieso.

Wer privat krankenversichert ist, bekommt das Elterngeld genauso. Für das Mutterschaftsgeld muss sie jedoch eine besondere Versicherung mit einem zusätzlichen Beitrag abschließen.

Und wer sich konkret auf ein solches Ereignis freuen kann: Ein sehr ausführliches Papier zu allen Geldfragen rund um Schwangerschaft und Kindererziehung, das im Gegensatz zu den folgenden Absätzen wirklich jedes Detail klärt, findet sich bei mediafon zum Download.

Das Kindergeld und die verschiedenen Steuer-Freibeträge werden ausführlich im mediafon-Ratgeber "Selbstständige" behandelt.

 
9.9.3.1.  Mutterschaftsgeld

Anspruch auf Mutterschaftsgeld haben auch selbstständige Frauen, sofern sie zum Beginn der Mutterschutzfrist – also am 42. Tag vor der voraussichtlichen Entbindung –

  • Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung sind (freiwillig oder über die Künstlersozialkasse) und
  • den Normalbeitrag oder den erhöhten Beitrag zahlen (also Anspruch auf Krankengeld haben).

Unter diesen Bedingungen zahlt die Krankenkasse ihnen 14 Wochen lang – sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung – ein Mutterschaftsgeld. Das ist so hoch wie das Krankengeld, beträgt also 70 Prozent des Einkommens, das dem Krankenkassenbeitrag im Durchschnitt der letzten zwölf Monate zu Grunde lag. Das Mutterschaftsgeld ist steuerfrei; freiwillig Versicherte bleiben während dieser Zeit für einen Mindestbeitrag in ihrer Krankenkasse; über die KSK Versicherte bleiben sogar beitragsfrei renten-, pflege- und krankenversichert.

Das Mutterschaftsgeld wird bei der Krankenkasse beantragt. Geht die Frau in der Schutzfrist einer versicherungspflichtigen Arbeit nach, so verliert sie während dieser Zeit den Anspruch auf Mutterschaftsgeld.

Frauen, die als Scheinselbstständige über den Auftraggeber gesetzlich versichert sind, bekommen von der Krankenkasse höchstens 13 € Mutterschaftsgeld pro Tag. Dieses Almosen muss der Auftraggeber laut Mutterschutzgesetz jedoch auf das letzte Nettoentgelt aufstocken.

Eine Warnung sei hier angefügt an alle Frauen, die mit der Geburt ihre Berufstätigkeit vorerst aufgeben wollen: Sie sollten ihre Krankenversicherung auf jeden Fall zunächst bestehen lassen. Wer zum Beispiel drei Monate vor der Entbindung zu arbeiten aufhört und sich deshalb bei der Krankenkasse abmeldet, um von der kostenlosen Familienversicherung über den Mann zu profitieren, spart zwar sechs Wochen Krankenkassenbeiträge. Dafür erfüllt sie aber nicht mehr die oben genannte Voraussetzung und verliert damit den gesamten Anspruch auf Mutterschaftsgeld!

 
9.9.3.2.  Elterngeld

(Vorbemerkung: Für Eltern von Kindern, die zur Erziehung ihrer Kinder zeitweilig aus dem Erwerbsleben aussteigen wollen, wurde das frühere Erziehungsgeld zum 1.1.2007 durch das Elterngeld ersetzt, das vor allem für Leute, die einigermaßen gut verdienen, deutlich attraktiver ist. Ein Wahlrecht zwischen beiden Maßnahmen besteht nicht. Maßgeblich ist das Datum der Geburt des Kindes. Wurde es vor dem 1.1.2007 geboren, besteht Anspruch auf Erziehungsgeld – und zwar auch über den 1.1.2007 hinaus nach den alten Regeln. Wurde es nach dem 31.12.2006 geboren, gibt es Elterngeld nach den folgenden Regeln.

Anspruch auf Elterngeld haben alle Eltern, deren Kind nach dem 31.12.2007 geboren wurde, und die für dessen Erziehung ihre Erwerbstätigkeit zeitweise aufgeben oder einschränken (bis zu 30 Wochenstunden Erwerbsarbeit bleiben trotz Elterngeldzahlung erlaubt).

Gezahlt wird das Elterngeld 12 Monate lang; wo beide Partner für die Kindererziehung ihre Erwerbstätigkeit einschränken, kommen für den zweiten Elternteil zwei weitere Monate hinzu. Alleinerziehende können die 14 Monate allein in Anspruch nehmen.

Das Elterngeld beträgt 67 Prozent des Nettoeinkommens der letzten zwölf Monate (oder der Differenz des früheren Einkommens zum Nettoeinkommen während des Elterngeldbezugs). Bei einem bisherigen Nettoeinkommen von weniger als 1.000 € werden die 67 Prozent leicht aufgestockt – und zwar um 0,1 Prozentpunkte je zwei Euro Differenz; als Mindestbetrag gibt es 300 €, als Höchstbetrag sind 1.800 € im Monat möglich. Maßgeblich ist das durchschnittliche Einkommen der letzten zwölf Kalendermonate vor dem Monat der Geburt – bei Selbstständigen ist dies der Betriebsgewinn abzüglich Steuern und gesetzlicher Sozialversicherungsbeiträge (z.B. zur KSK, von Dozenten an die gesetzliche Rentenversicherung oder für die freiwillige Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung). Zum Nachweis kann man den Steuerbescheid des letzten Kalenderjahres vorlegen. Wo der noch nicht vorliegt, sollte in der Regel eine vorläufige Einnahmenüberschussrechnung der letzten zwölf Monate ausreichen, von der dann die Sozialversicherungsbeiträge und die Einkommensteuervorauszahlungen abgezogen werden. Einreichen sollte man von diesen beiden Alternativen natürlich diejenige mit dem höheren Nettoergebnis – gegebenenfalls sollte man sich also mit der Steuererklärung ein bisschen beeilen und das Finanzamt um beschleunigte Bearbeitung bitten!

Wer die selbstständige Tätigkeit nicht ganz aufgeben will, muss für den Verdienst während des Bezugs des Elterngeldes ebenfalls eine (voraussichtliche) Einnahmenüberschussrechnung einreichen.

Aber Vorsicht: In beiden Fällen wird das Elterngeld zunächst nur vorläufig berechnet und gezahlt. Nach Ende des Zahlungszeitraums wird auf Basis der entsprechenden Steuerbescheide eine Endabrechnung vorgenommen, die dann eine Nachzahlung oder Rückforderung zur Folge haben kann!

Das Elterngeld ist also um so höher, je höher das Nettoeinkommen vor der Geburt war. Aus diesem Grund sollten Eltern, die beide in der Lohnsteuerklasse IV sind und von denen mindestens ein Teil abhängig beschäftigt ist, frühzeitig einen Wechsel der Lohnsteuerklassen prüfen: Will der abhängig beschäftigte Elternteil das Elterngeld in Anspruch nehmen und wechselt rechtzeitig vorher in die Lohnsteuerklasse III (selbstständiger Partner dann V), so steigt damit der monatlich ausgezahlte Nettolohn. Das heißt: Es gibt später mehr Elterngeld. Zwar gleicht sich der Steuerunterschied zur Lohnsteuerklasse IV bei der Steuererklärung im nächsten Jahr wieder aus – das mehr erhaltene Elterngeld aber braucht nicht zurückgezahlt zu werden! Und für den selbstständigen Elternteil macht es gar keinen Unterschied, da sich seine Steuerschuld ohnehin erst bei der Steuererklärung unabhängig von einer Lohnsteuerklasse ergibt. So ein Steuerklassenwechsel lohnt sich also auf jeden Fall, wenn der abhängig beschäftigte Elternteil zu Hause bleiben will – und zwar unabhängig davon, wer von beiden mehr Geld verdient! Zusätzlich sollten Arbeitnehmer auf der Lohnsteuerkarte alle Freibeträge eintragen lassen, auf die sie Anspruch haben.

Allerdings: Ist der Wechsel der Steuerklasse "ohne Berücksichtigung der Sozialleistung wirtschaftlich unsinnig", so braucht er nach Auffassung des Bundesfamilienministeriums bei der Berechnung des Elterngeldes nicht anerkannt zu werden. Aber: Wenn so ein Wechsel das Nettoeinkommen vor der Geburt erhöht – was sollte daran "wirtschaftlich unsinnig" sein?

Will der selbstständige Elternteil zu Hause bleiben, so sollte er aus demselben Grund auf jeden Fall versuchen, für die zwölf Monate vor der voraussichtlichen Geburt seine Einkommensteuervorauszahlungen zu senken. Als Argumente kann man dem Finanzamt je nach Lage z.B. gestiegene Kosten, weggebrochene Aufträge oder einen geplanten Auslandsaufenthalt nennen – damit sind die häufig sehr kulant.

Das Elterngeld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Hat der geförderte Elternteil neben dem Elterngeld noch Erwerbseinkünfte, so führt das – wie oben dargestellt – zu einer Kürzung des Elterngeldes.

Liegen diese Einkünfte über der Geringfügigkeitsgrenze, so sind sie ganz normal sozialversicherungspflichtig. Das Elterngeld selbst unterliegt nicht der Sozialversicherungspflicht; eine bestehende Kranken- und Pflegepflichtversicherung besteht während des Bezugs von Elterngeld fort, ohne dass man dafür Beiträge bezahlen müsste.

Wer Mutterschaftsgeld bezieht, hat für exakt diese Tage keinen Anspruch auf Elterngeld.

Auf Wunsch kann man das Elterngeld halbieren: Dann wird der nach den oben genannten Regeln ermittelte Betrag nur zur Hälfte ausgezahlt – dafür aber für die doppelte Bezugsdauer, also 24 bzw. 28 Monate.

Alle weiteren Details zum Elterngeld im mediafon-Ratgeber "Wenn Selbstständige Kinder kriegen" von Rüdiger Lühr.

 
9.9.3.3.  Erziehungsgeld

(Vorbemerkung: Für Kinder, die vor dem 1.1.2007 geboren wurden, gab es vor dem Elterngeld das Erziehungsgeld, das auch nach Einführung des Elterngeldes unter den alten Bedingungen weiter gezahlt wird. Für Leute, die aus dieser Zeit noch Anspruch auf Erziehungsgeld habene, bleibt das folgende Kapitel daher vorerst im Ratgeber stehen:)

Anspruch auf Erziehungsgeld haben alle Eltern, also auch Selbstständige, die ein Kind großziehen, das vor dem 1.1.2007 geboren wurde, und nebenbei höchstens 30 Stunden pro Woche arbeiten. Wenn ein Elternteil diese Voraussetzung erfüllt, darf der andere voll arbeiten.

Als Erziehungsgeld gibt es entweder

  • 24 Monate lang den Regelbetrag von 300 € oder
  • 12 Monate lang den Budgetbetrag von 450 €,
wobei die Beträge ab dem 7. Monat geringer sein können. Die genaue Höhe und Zahlungsdauer hängen von verschiedenen Einkommensgrenzen ab:
  • Sechs Monate lang bekommt den vollen Regelbetrag, wer mit seinem Einkommen unter 23.000 € (alleinstehend) bzw. 30.000 € (Ehepaar oder eheähnliche Gemeinschaft) liegt;
  • wer unter 19.086 € (alleinstehend) bzw. 22.086 € (Paar) liegt, kann sich dabei für den Budgetbetrag entscheiden.
  • Liegt das Einkommen über 13.500 € (alleinstehend) bzw. 16.500 € (Paar), so wird das Erziehungsgeld ab dem 7. Monat um 5,2 Prozent (beim Regelbetrag) bzw. 7,2% (Budget) des Differenzbetrages gekürzt. Ab 19.269 € Jahreseinkommen bekommen Alleinstehende also gar nichts mehr; für Paare ist ab 22.269 € Schluss.
  • Für jedes weitere Kind erhöht sich die Einkommensgrenze in allen Fällen einheitlich um 3.140 €.
  • Das Mutterschaftsgeld wird auf das Erziehungsgeld angerechnet.
Maßgeblich ist das Einkommen bei Antragstellung. Während des Bezuges von Erziehungsgeld kann man also ruhig mehr verdienen als die Grenzbeträge – das macht nichts, solange man die 30-Stunden-Grenze nicht überschreitet. Wer nicht allzu hoch über den genannten Grenzen liegt, sollte dennoch fragen: Das maßgebliche Einkommen wird nach einer ganz besonderen Methode berechnet und liegt nur bei knapp 75 Prozent der Einkünfte im Sinne des Finanzamtes.

Mit der Sozialversicherung geht es so:

  • Arbeitnehmer und KSK-Versicherte, die neben dem Erziehungsgeld nur einen Minijob haben oder aus freier künstlerischer Arbeit nicht mehr als 325 € verdienen, bleiben beitragsfrei in ihrer gesetzlichen Kranken- und Pflegekasse versichert – und zwar direkt über die Krankenkasse: Die Versicherung über die KSK endet in diesem Fall. Man kann sie aber relativ unkompliziert wieder aufleben lassen, sobald man wieder erwerbsmäßig frei zu arbeiten anfängt. Wer nebenher mehr verdient, wird ganz normal beitragspflichtig.
  • Freiwillig Versicherte müssen während des Bezuges von Erziehungsgeld einen Mindestbeitrag von durchschnittlich 116 € an die gesetzliche Krankenkasse zahlen. Das entspricht einem Einkommen von 816,67 € im Monat – erst wer mehr verdient, muss auch höheren Beitrag zahlen.
  • Privat Versicherte müssen ihren normalen Beitrag in voller Höhe weiter bezahlen.

Die beitragsfreie Weiterversicherung gilt zwar auch nach Auslaufen des Erziehungsgeldes während der Elternzeit – da aber die Elternzeit gesetzlich nur für Arbeitnehmerinnen vorgesehen ist, können Selbstständige davon nicht profitieren.

Wo man das Erziehungsgeld beantragt, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Am besten bei der Gemeinde nachfragen. In Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen gibt es im Anschluss an das (Bundes-)Erziehungsgeld noch ein Landeserziehungsgeld.

 
9.9.3.4.  Kinderkrankengeld

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen ein Krankengeld auch dann, wenn jemand wegen der Erkrankung eines Kindes nicht arbeiten kann. Dazu muss lediglich ein Arzt die Pflegebedürftigkeit des Kindes bescheinigen, das nicht älter als zwölf Jahre sein darf.

Das "Kinderkrankengeld" beträgt genauso wie das normale Krankengeld 70 Prozent des versicherten Einkommens und wird pro Krankheit bis zu zehn, bei Alleinerziehenden höchsten 20 Arbeitstage lang gezahlt; pro Kalenderjahr ist es auf 25 bzw. 50 Arbeitstage begrenzt.

Für Selbstständige gibt es das Kinderkrankengeld nach einem Urteil des Bundessozialgerichts allerdings erst von dem Tag an, an dem Anspruch auf Krankengeld besteht – also ab der siebten Krankheitswoche (des Kindes!), bei vorgezogenem Krankengeld entsprechend früher. Trotzdem kann sich Fragen hier lohnen: Manche Kassen zahlen freiwillig vom ersten Tag an - was ja durchaus ein Grund für einen Kassenwechsel sein könnte.

 

 

[ Letzte Änderung: 28. Dezember 2006]
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